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B2B- und Industrie-Website: Technische Tiefe ohne Datenblatt-Wüste

Im B2B kauft niemand nach zwei Minuten. Zwischen dem ersten Besuch und der Bestellung liegen Wochen bis Monate, drei bis sechs Personen und meistens mindestens ein Angebotsvergleich. Trotzdem sehen viele Industrie-Websites aus wie ein digitaler Prospekt: schöne Halle, drei Schlagworte, ein Kontaktformular mit vierzehn Pflichtfeldern und ein Downloadbereich, in dem 200 PDFs ohne Ordnung liegen. Dieser Artikel zeigt dir, wer im Hintergrund wirklich mitentscheidet, welche Inhalte diese Personen brauchen, wie du technische Tiefe zeigst ohne deine Besucher zu erschlagen, was Mehrsprachigkeit wirklich kostet und woran du erkennst, ob sich eine neue Seite für dich überhaupt lohnt.

Lesezeit
13 Min.
Stand
Juli 2026
Kapitel
9

Warum B2B nach anderen Regeln läuft als der Onlineshop nebenan

Die Website ist hier kein Verkaufskanal, sondern ein Vorbereitungswerkzeug für den Vertrieb.

Im Endkundengeschäft entscheidet eine Person, oft innerhalb weniger Minuten, und der Kaufbutton ist das Ziel. Im B2B ist das anders: Der Besucher recherchiert für jemand anderen, hat ein Budget, das er nicht allein freigeben darf, und muss seine Empfehlung intern begründen. Deine Website wird also selten in einer Sitzung gelesen. Sie wird angesurft, wieder verlassen, per Link an Kollegen geschickt, im Meeting aufgerufen und drei Wochen später erneut aufgemacht, wenn die Angebote verglichen werden.

Daraus folgt eine unbequeme Wahrheit: Die Startseite ist bei weitem nicht so wichtig, wie alle denken. Wichtiger sind die tiefen Seiten, auf denen eine konkrete Anwendung, ein Produkt oder ein Verfahren beschrieben wird. Genau die werden verlinkt, gespeichert und gefunden. Wer sein ganzes Budget in eine Hero-Animation steckt und die Produktseiten mit zwei Sätzen abfrühstückt, baut ein Schaufenster ohne Laden dahinter.

Die zweite Besonderheit ist der Zeitverzug. Eine Anfrage, die heute reinkommt, entsteht aus einem Besuch, der vielleicht sechs Wochen alt ist. Deshalb sind kurzfristige Erfolgsmessungen im B2B tückisch. Wenn du nach vier Wochen keine Flut an Anfragen siehst, heißt das nicht, dass die Seite nicht arbeitet. Es heißt, dass der Zyklus noch läuft.

Die dritte Besonderheit: Der Wettbewerb ist meist nicht das Unternehmen mit dem besten Design, sondern das mit den vollständigsten Informationen. Wer als Einziger Maßblätter, Toleranzen, Werkstoffe, Lieferzeiten und Ansprechpartner sauber zugänglich macht, gewinnt die Vorauswahl. Das ist gute Nachricht und Arbeit zugleich, denn diese Inhalte kann kein Dienstleister erfinden. Sie müssen aus deinem Haus kommen.

Wer wirklich mitentscheidet und was jede Rolle sucht

Ein Text für alle bedient am Ende niemanden richtig.

In der Praxis sitzen bei einer Investition ab wenigen tausend Euro selten weniger als drei Personen am Tisch, bei Anlagen und Rahmenverträgen eher fünf bis sieben. Diese Personen haben völlig unterschiedliche Fragen. Der Anwender will wissen, ob das Ding technisch passt. Der Einkauf will Konditionen, Lieferzeiten und Ausfallrisiko. Die Geschäftsführung will wissen, ob die Firma in zwei Jahren noch existiert. Wenn deine Website nur eine dieser Fragen beantwortet, blockiert eine der anderen Rollen die Entscheidung, ohne dass du je davon erfährst.

Das heißt nicht, dass du sechs Zielgruppenseiten brauchst. Es heißt, dass die Antworten auffindbar sein müssen. Meist reicht eine klare Struktur: die Nutzenebene ganz oben, die Anwendungsebene in der Mitte, die harten Daten unten oder auf einer verlinkten Detailseite. So findet jede Rolle ihre Ebene, ohne sich durch die anderen kämpfen zu müssen.

RolleSucht auf deiner SeiteSpringt ab, wennPassender Inhalt
Techniker, Konstrukteur, AnwenderMaße, Werkstoffe, Toleranzen, Schnittstellen, CAD-Datennur Marketingtext ohne Zahlen da istProduktdetailseite mit Datentabelle und Downloadblock
EinkaufLieferzeiten, Mindestmengen, Zertifikate, Standorte, Ansprechpartnerkein Preisrahmen und keine Kontaktperson auffindbar istSeite zu Konditionen, Lieferfähigkeit und Ansprechpartnern
GeschäftsführungGröße, Beständigkeit, Referenzen aus der eigenen Branchedie Firma anonym wirkt und keine Referenzen zeigtÜber uns mit Zahlen, Historie und echten Kundenprojekten
IT und DatenschutzSchnittstellen, Datenverarbeitung, Hosting, Auftragsverarbeitungnichts zu Datenverarbeitung oder Schnittstellen stehtTechnikseite plus saubere, verständliche Datenschutzerklärung
QualitätssicherungNormen, Prüfverfahren, Zertifikate mit GültigkeitsdatumZertifikate nur als Logo ohne Nachweis erscheinenZertifikatsbereich mit PDF, Nummer und Gültigkeit
Instandhaltung und ServiceErsatzteile, Serviceintervalle, Reaktionszeiten, Anleitungennach dem Kauf keine Informationen mehr kommenServicebereich mit Anleitungen und Ersatzteilliste
Externe Planer und AusschreiberAusschreibungstexte, Datenblätter, ZeichnungenDaten nur nach Registrierung erhältlich sindOffener Downloadbereich mit strukturierten Dateien

Content-Typen im B2B: was du brauchst und was Deko ist

Nicht jeder Inhalt trägt gleich viel. Manche kosten viel und bringen wenig.

Es gibt im B2B eine überschaubare Zahl an Inhaltsarten, die tatsächlich zu Anfragen führen. Der Rest ist meist nett, aber nicht entscheidend. Der größte Fehler ist, mit dem Aufwendigsten anzufangen: Whitepaper, Videoserie, Blog mit Redaktionsplan. Das bindet Ressourcen, bevor die Grundlagen stehen. Die Grundlagen sind Produkt- und Leistungsseiten, Anwendungsfälle und Ansprechbarkeit.

Eine Faustregel, die sich bewährt hat: Solange nicht jede Leistung eine eigene Seite mit mindestens 400 Wörtern echter Substanz hat, brauchst du keinen Blog. Suchmaschinen und Menschen suchen zuerst nach dem, was du machst, nicht nach deinen Gedanken darüber. Der Blog kommt später, wenn die Basis trägt.

Content-TypWofür er da istWann er wirktAufwand (Erfahrungswert)
Produkt- oder LeistungsseiteGrundlage für Sichtbarkeit und VorauswahlVom ersten Besuch bis zum VergleichHoch, 2 bis 5 Stunden Text pro Seite plus Daten
Anwendungsfall / BranchenseiteZeigt, dass du das Problem kennstFrüh, wenn noch verglichen wirdMittel, ein gutes Kundengespräch reicht als Basis
Referenzprojekt mit ZahlenNimmt der Geschäftsführung das RisikoSpät, kurz vor der EntscheidungMittel, hängt an der Freigabe des Kunden
Datenblatt und ZeichnungMacht dich für Techniker überhaupt nutzbarMitte bis spät, oft mehrfach abgerufenNiedrig, wenn die Daten intern schon existieren
Zertifikate und NormenFilterkriterium im Einkauf und in der QSFrüh, oft als AusschlusskriteriumNiedrig, aber Pflege nötig (Gültigkeit)
FAQ zu Lieferzeit, Mengen, AblaufBeantwortet, was der Vertrieb 20 Mal pro Woche erklärtDurchgehendNiedrig, entsteht aus echten E-Mails
Whitepaper oder FachartikelPositionierung, Reichweite bei FachpublikumSehr früh, oft ohne direkte AnfrageSehr hoch, 15 bis 40 Stunden pro Stück
ImagefilmStimmung, Karriere, MesseeinsatzSelten entscheidungsrelevantHoch, in der Praxis meist 4.000 bis 15.000 Euro

Wenn du dir aus dieser Liste drei Dinge herauspicken müsstest, dann diese: saubere Leistungsseiten, zwei bis drei ehrliche Referenzprojekte mit Zahlen und eine FAQ, die die Fragen deines Vertriebs vorwegnimmt. Damit deckst du den Großteil dessen ab, was in der Vorauswahl passiert. Alles andere ist Ausbau.

Technische Tiefe zeigen, ohne die Seite in eine Datenblatt-Wüste zu verwandeln

Das Problem ist fast nie zu wenig Information. Es ist die fehlende Reihenfolge.

Industrieunternehmen haben in der Regel mehr Daten, als sie sinnvoll unterbringen können. Der typische Fehler sieht so aus: Die Produktseite beginnt mit einer Tabelle aus 40 Zeilen, in der Artikelnummern, Maße und Werkstoffe stehen. Wer die Norm kennt, kommt zurecht. Alle anderen, und das sind bei einer Erstrecherche die meisten, schließen den Tab. Die Lösung ist keine Kürzung, sondern eine Reihenfolge.

Bewährt hat sich ein Aufbau in drei Ebenen. Ebene eins beantwortet in zwei bis drei Sätzen, wofür das Produkt eingesetzt wird und wo seine Grenze liegt. Ebene zwei zeigt die typischen Anwendungen, gern mit einem Bild aus dem echten Einsatz und nicht aus der Bilddatenbank. Ebene drei bringt die vollständigen Daten: Tabelle, Zeichnung, Downloads. Wer schnell scannen will, bleibt oben. Wer prüfen will, scrollt runter. Beide werden bedient, ohne dass du etwas weglässt.

Zwei technische Details entscheiden dabei mehr, als man denkt. Erstens: Datentabellen müssen auf dem Handy horizontal scrollbar sein und dürfen die Seite nicht sprengen. Ein Techniker, der auf der Baustelle nachschaut, ist kein Sonderfall. Zweitens: Artikelnummern, Serienbezeichnungen und Typenschlüssel gehören als Text auf die Seite, nicht nur ins PDF. Sie sind Suchbegriffe. Wer nach "Typ 4711 Ersatzteil" sucht, soll bei dir landen und nicht im Forum.

PDF oder HTML: die Frage, die den Downloadbereich rettet

PDFs sind bequem, weil sie schon existieren. Sie sind aber schlechte Landeplätze: schwer lesbar auf dem Handy, kaum verlinkbar auf einzelne Abschnitte, in der Suche deutlich schwächer als eine echte Seite. Die pragmatische Regel: Was zur Vorauswahl gebraucht wird, gehört als HTML auf die Seite. Was zur Prüfung, Fertigung oder Ablage gebraucht wird, bleibt PDF und wird ordentlich benannt heruntergeladen.

  • Dateinamen sprechend halten: "Datenblatt-Serie-X-DE-2026.pdf" statt "dbl_final_v3_neu.pdf".
  • Bei jedem Download Dateityp, Größe und Stand anzeigen, damit niemand blind klickt.
  • Downloads nach Produkt gruppieren, nicht nach Abteilung oder Dateityp.
  • Alte Versionen nicht löschen, sondern als Archiv kennzeichnen. Wer eine Anlage von 2014 wartet, braucht genau die.
  • Ab etwa 50 Dokumenten wird eine interne Suche mit Filter Pflicht, sonst findet niemand mehr etwas.

Anfrageformular statt Kaufbutton: die Kasse deiner Website

Jedes zusätzliche Pflichtfeld kostet dich Anfragen, jedes fehlende kostet dich Zeit.

Im B2B endet die Website fast nie mit einer Bestellung, sondern mit einer Anfrage, einem Rückruf oder einem Download. Das Formular ist damit der wichtigste Baustein der ganzen Seite, und es wird trotzdem meistens zuletzt und lieblos gebaut. Der Klassiker: Anrede als Pflichtfeld, Firma, Position, Telefon, Kundennummer, Betreff, Nachricht, Datenschutz-Haken, Captcha. Wer motiviert ist, füllt das aus. Wer noch vergleicht, springt ab und ruft beim Wettbewerber an.

Die brauchbare Faustregel: Frag nur ab, was du für die erste Antwort wirklich brauchst. Alles andere klärt der Anruf. Für eine allgemeine Anfrage reichen Name, Firma, E-Mail und Nachricht. Für eine konkrete Angebotsanfrage darfst du mehr verlangen, weil die Bereitschaft höher ist. Trenne deshalb die Formulare nach Anlass, statt ein Universalformular für alles zu bauen.

AnlassSinnvolle PflichtfelderWeglassenWas du zusagen solltest
Allgemeine KontaktanfrageName, E-Mail, NachrichtAnrede, Telefon, Position, KundennummerAntwort innerhalb von 1 Werktag
Angebotsanfrage ProduktFirma, Ansprechpartner, E-Mail, Produkt/Typ, MengeBudget, Anrede, Branche als PflichtfeldAngebot innerhalb von 2 bis 3 Werktagen
Anfrage SonderanfertigungFirma, Kontakt, Anwendung, Stückzahl, Zeichnung als UploadFragen nach Wettbewerbern oder VorlieferantenRückruf zur technischen Klärung in 2 Werktagen
Servicefall / ErsatzteilFirma, Anlagen- oder Seriennummer, Fehlerbeschreibung, TelefonMarketing-Einwilligung, Newsletter-HakenReaktion am selben Werktag, wenn vor 14 Uhr
Download eines DatenblattsNichts, offen anbietenRegistrierung, Formular vor dem DownloadDirekter Download ohne Umweg
Whitepaper oder StudieE-Mail, optional FirmaTelefonnummer als PflichtfeldSofortversand plus klarer Hinweis zur Datennutzung

Der letzte Punkt ist umstritten und deshalb hier ehrlich: Datenblätter hinter ein Formular zu legen bringt dir Adressen, kostet dich aber Vorauswahl. Ein Konstrukteur, der drei Anbieter prüft, nimmt den, dessen Daten er sofort bekommt. Wenn dein Vertrieb gute Leads braucht, sind Whitepaper und Konfigurationshilfen der bessere Ort für ein Formular. Reine technische Daten sollten offen liegen.

Genauso wichtig wie das Formular ist, was danach passiert. Eine Bestätigungsseite, die sagt, wann sich wer meldet, senkt die Zahl der Nachfass-Mails spürbar. Eine automatische Eingangsbestätigung per Mail mit dem Namen des zuständigen Ansprechpartners wirkt professioneller als jede Hochglanzgrafik. Und intern muss die Anfrage dort landen, wo sie bearbeitet wird: im Postfach des Vertriebs oder im CRM, nicht in einem Sammelpostfach, in das niemand schaut.

Mehrsprachigkeit: was sie kostet und wann sie sich lohnt

Eine schlechte englische Version schadet mehr als gar keine.

Viele Mittelständler exportieren, also soll die Website mehrsprachig sein. Das ist richtig, wird aber regelmäßig unterschätzt. Eine Sprachversion ist keine Einstellung, die man anklickt, sondern ein zweiter kompletter Inhaltsbestand, der gepflegt werden muss. Wenn die deutsche Seite in zwei Jahren zwölf neue Produkte hat und die englische noch auf dem Stand vom Launch steht, hast du keine internationale Website, sondern eine veraltete.

Technisch ist der Rahmen klar: Jede Sprache braucht eigene URLs, eigene Seitentitel und einen sauberen hreflang-Verweis auf die jeweils anderen Sprachversionen. Eine automatische Weiterleitung nach IP-Adresse ist eine schlechte Idee, weil sie Nutzer aussperrt, die bewusst eine andere Sprache wollen. Ein sichtbarer Sprachumschalter reicht. Und wichtig: nicht die Sprache mit dem Land verwechseln. Ein Schweizer Kunde will eventuell Deutsch, aber Schweizer Preise.

VarianteWann sinnvollZusatzaufwand Umsetzung (Erfahrungswert)Laufender Pflegeaufwand
Nur DeutschKunden ausschließlich im DACH-RaumBasisBasis
Deutsch plus Englisch (Kernseiten)Export vorhanden, aber kein eigener AuslandsvertriebMeist 15 bis 30 Prozent auf das UmsetzungsbudgetEtwa 1 Tag pro Quartal
Deutsch plus Englisch (komplett)Englisch ist echte VertriebsspracheMeist 25 bis 40 Prozent auf das UmsetzungsbudgetJede Änderung doppelt, etwa 2 Tage pro Quartal
Drei bis vier SprachenFeste Märkte mit eigenen PartnernMeist 40 bis 80 Prozent, je nach TextmengeNur mit klarer Zuständigkeit machbar
Länderseiten mit eigenen InhaltenEigene Niederlassungen, andere SortimenteFaktisch ein zweites ProjektBraucht eine verantwortliche Person je Markt
Maschinelle Übersetzung ohne PrüfungNie für Produkt- und RechtstexteSehr geringKostet Vertrauen, Ergebnis oft peinlich

Bei den Übersetzungskosten gilt: Fachübersetzungen für technische Texte liegen in der Praxis meist zwischen 0,12 und 0,25 Euro pro Wort, bei stark normbezogenen Inhalten eher am oberen Ende. Eine mittlere Firmenwebsite mit 25 Seiten kommt schnell auf 12.000 bis 20.000 Wörter. Rechne das einmal durch, bevor du "und dann noch auf Englisch, Französisch und Polnisch" in ein Briefing schreibst. Oft ist die ehrlichere Entscheidung: Englisch komplett und richtig, der Rest später.

Ein Zwischenweg, der in der Praxis gut funktioniert: eine reduzierte englische Version mit Startseite, Leistungen, Produkten und Kontakt, klar als Übersicht gekennzeichnet, plus die technischen Datenblätter auf Englisch. Das deckt die Vorauswahl ab, und der Rest passiert ohnehin im Gespräch. Wichtig ist nur, dass die Sprachversion vollständig wirkt und nicht auf halber Strecke ins Deutsche kippt.

Recht, Datenschutz und der Kram, den niemand gern liest

Im B2B schaut häufiger jemand genau hin, und zwar aus der eigenen Firma des Kunden.

Impressum und Datenschutzerklärung sind Pflicht und werden bei B2B-Seiten öfter geprüft als bei Endkundenseiten, weil in größeren Unternehmen jemand für Datenschutz zuständig ist und Lieferanten mitbewertet. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund für Sorgfalt. Vollständiges Impressum, korrekte Vertretungsangaben, eine Datenschutzerklärung, die zu den tatsächlich eingesetzten Werkzeugen passt, und ein Cookie-Banner, der nur dann erscheint, wenn wirklich einwilligungspflichtige Dienste laufen.

Der unauffälligste Stolperstein sind eingebundene Drittdienste. Schriftarten, die live von einem externen Server nachgeladen werden, Kartendienste, Videoeinbindungen, Analysewerkzeuge, Chat-Fenster. Jedes davon überträgt Daten, bevor jemand zugestimmt hat, wenn es falsch eingebunden ist. Die saubere Lösung ist unspektakulär: Schriften lokal ausliefern, Karten und Videos erst nach Klick laden, Analyse datensparsam konfigurieren. Das kostet im Bau ein paar Stunden und erspart später unangenehme Gespräche.

Zur Barrierefreiheit gibt es viel Halbwissen. Die gesetzlichen Anforderungen aus dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz zielen auf Angebote gegenüber Verbrauchern. Reine B2B-Angebote sind davon in der Regel nicht erfasst. Verlass dich darauf aber nicht blind, wenn du auch an Privatkunden lieferst oder einen offenen Shop betreibst. Und unabhängig von der Pflicht: Ausreichender Kontrast, Bedienbarkeit per Tastatur und ordentliche Beschriftungen im Formular helfen jedem, auch dem Einkäufer mit Lesebrille am schlechten Monitor.

  • Schriftarten lokal einbinden, keine Nachladung von externen Servern.
  • Karten- und Videoeinbindungen erst nach aktivem Klick laden.
  • Für jedes eingesetzte Werkzeug prüfen, ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag vorliegt.
  • Formulardaten verschlüsselt übertragen und nicht länger speichern als nötig.
  • Zertifikatsangaben mit Gültigkeitsdatum versehen, damit nichts abgelaufen online steht.

Budget, Zeitplan und der Teil, den du selbst liefern musst

Der teuerste Posten im B2B-Projekt ist selten das Design.

Die Preisspannen für B2B-Websites gehen weit auseinander, weil "Firmenwebsite" alles von acht Seiten bis zu einer Produktdatenbank mit tausenden Artikeln bedeuten kann. In der Praxis liegen die Angebote für eine solide mittelständische Seite mit Produktbereich, Downloads und einer Zweitsprache meist im mittleren vierstelligen bis unteren fünfstelligen Bereich. Wichtiger als die Zahl ist, dass du weißt, was der Preis enthält und was später dazukommt. Wie du Angebote sauber gegeneinander stellst, steht ausführlich im Ratgeber zum Angebotsvergleich.

ProjekttypTypischer UmfangPreisspanne (Erfahrungswert)Dein interner Aufwand
Kompakte Firmenwebsite5 bis 8 Seiten, eine Sprache, KontaktformularMeist 2.000 bis 5.000 EuroEtwa 2 bis 4 Tage für Texte, Bilder, Freigaben
Mittelstand mit Produktbereich20 bis 50 Seiten, Downloads, zwei SprachenMeist 6.000 bis 15.000 EuroEtwa 8 bis 15 Tage, verteilt über das Projekt
Industrie mit DatenbankProduktdatenbank, Filter, Konfigurator, ERP- oder PIM-AnbindungMeist 15.000 bis 60.000 Euro und mehrErheblich, mit fester interner Projektleitung
Relaunch bestehender SeiteStruktur neu, Inhalte großteils vorhandenMeist 4.000 bis 20.000 Euro je nach UmfangSortieren und Aufräumen der Altinhalte, oft unterschätzt
Laufende Pflege und SicherheitUpdates, Backups, Formularprüfung, kleine ÄnderungenMeist 50 bis 300 Euro im MonatGering, wenn Zuständigkeit klar ist

Der Punkt, an dem B2B-Projekte am häufigsten hängen bleiben, steht in der letzten Spalte: der interne Aufwand. Datenblätter zusammensuchen, Fotos von echten Anlagen machen lassen, Freigaben von Geschäftsführung und Rechtsabteilung einholen, Produkttexte prüfen. Das kann kein Dienstleister für dich tun, weil nur ihr wisst, welche Toleranz stimmt und welches Projekt der Kunde öffentlich sehen will. Wenn dafür niemand benannt ist, verlängert sich jedes Projekt um Wochen.

Deshalb lohnt es sich, vor Projektstart drei Dinge festzulegen: eine verantwortliche Person mit Entscheidungsbefugnis, eine Freigaberunde statt fünf Meinungen, und ein Stichtag für die Inhalte. Bei Pixylmedia steht der Festpreis vor Projektstart und ein Launch in 14 Tagen ist eingeplant, aber diese 14 Tage funktionieren nur, wenn die Inhalte auf dem Tisch liegen. Bei komplexeren Industrieprojekten mit Produktdatenbank ist der Zeitrahmen naturgemäß größer, und das gehört ehrlich ins Angebot statt in die Verzögerung.

Fazit: erst die Substanz, dann die Oberfläche

Was du konkret als Nächstes tun solltest.

B2B-Websites gewinnen nicht über Gestaltung, sondern über Vollständigkeit und Auffindbarkeit. Wer als Einziger die Daten liefert, die ein Konstrukteur, ein Einkäufer und eine Geschäftsführung brauchen, landet in der Vorauswahl. Wer nur schöne Hallenbilder zeigt, wird höflich weitergeklickt. Design ist trotzdem nicht egal, aber es ist der Verstärker und nicht der Inhalt.

Der pragmatische erste Schritt kostet dich nichts außer zwei Stunden: Nimm die letzten zehn Anfragen und die letzten zehn verlorenen Angebote. Schreib auf, welche Frage jeweils zuerst gestellt wurde und woran es am Ende gescheitert ist. Diese zwei Listen sagen dir mehr über deine nötige Website-Struktur als jeder Workshop. Meist zeigt sich sehr schnell, dass drei bis fünf Informationen fehlen, die überall gefragt werden.

  1. Schritt 1: Die zehn häufigsten Vertriebsfragen sammeln und daraus eine FAQ und die Gliederung der Leistungsseiten bauen.
  2. Schritt 2: Für jede Leistung oder Produktgruppe eine eigene Seite mit echten Daten, nicht eine Sammelseite.
  3. Schritt 3: Downloads aufräumen, benennen, datieren und offen zugänglich machen.
  4. Schritt 4: Formulare nach Anlass trennen, Pflichtfelder radikal kürzen, Reaktionszeit zusagen und danach testen.
  5. Schritt 5: Erst wenn das steht, über Zweitsprache, Blog oder Konfigurator nachdenken.

Zum Schluss die unbequeme Erinnerung: Eine B2B-Website ist nie fertig. Produkte ändern sich, Zertifikate laufen ab, Ansprechpartner wechseln. Plane deshalb von Anfang an ein, wer die Seite pflegt und mit welchem Zeitbudget. Eine gepflegte einfache Seite schlägt eine aufwendige, die seit drei Jahren nicht angefasst wurde, in jeder Vorauswahl. Und wenn du unsicher bist, ob sich der Aufwand für dich lohnt, rechne nicht mit Klickzahlen, sondern mit einer einzigen zusätzlichen Anfrage pro Monat. Im B2B trägt das ein Projekt oft schon allein.

Häufige Fragen

Was kostet eine B2B-Website für ein Industrieunternehmen?
Eine kompakte Firmenwebsite mit 5 bis 8 Seiten liegt nach Erfahrungswerten meist zwischen 2.000 und 5.000 Euro. Für einen Mittelstandsauftritt mit Produktbereich, Downloads und zwei Sprachen sind eher 6.000 bis 15.000 Euro realistisch, mit Produktdatenbank und ERP-Anbindung deutlich mehr. Bei Pixylmedia startet der Festpreis bei 2.000 Euro, die Pro-Variante bei 4.500 Euro.
Wie lange dauert es, bis eine neue B2B-Website Anfragen bringt?
Rechne im B2B mit mehreren Monaten, nicht mit Wochen. Zwischen erstem Besuch und Anfrage liegen erfahrungsgemäß sechs Wochen bis mehrere Monate, weil drei bis sechs Personen mitentscheiden und Angebote verglichen werden. Eine Anfrage, die heute eingeht, stammt oft aus einem Besuch von vor über einem Monat. Bewerte eine neue Seite deshalb frühestens nach einem kompletten Verkaufszyklus.
Brauche ich meine Website wirklich auf Englisch?
Nur wenn Englisch bei dir echte Vertriebssprache ist. Eine zweite Sprache ist kein Schalter, sondern ein zweiter Inhaltsbestand, der dauerhaft gepflegt werden muss. Fachübersetzungen für technische Texte liegen erfahrungsgemäß bei 0,12 bis 0,25 Euro pro Wort, und eine mittlere Firmenwebsite hat schnell 12.000 bis 20.000 Wörter. Besser Englisch vollständig und gut als vier Sprachen halbfertig.
Sollte ich Datenblätter nur gegen ein Formular herausgeben?
Technische Datenblätter gehören offen zugänglich, ohne Registrierung. Ein Konstrukteur, der drei Anbieter prüft, nimmt den, dessen Daten er sofort bekommt, und Formularhürden kosten dich genau diese Vorauswahl. Wenn du Adressen sammeln willst, nutze dafür Whitepaper, Studien oder Konfigurationshilfen. Dort ist die Bereitschaft höher, ein paar Felder auszufüllen, ohne dass du die technische Prüfung blockierst.
Wie viele Pflichtfelder darf ein B2B-Anfrageformular haben?
So wenige wie möglich. Für eine allgemeine Kontaktanfrage reichen Name, Firma, E-Mail und Nachricht. Bei einer konkreten Angebotsanfrage darfst du mehr verlangen, etwa Produkt, Typ und Menge, weil die Bereitschaft dort höher ist. Trenne die Formulare nach Anlass, statt ein Universalformular für alles zu bauen, und nenne auf der Bestätigungsseite eine konkrete Reaktionszeit.

Genug gesehen?

Festpreis. Zwei Wochen. Direkt mit dem Macher. Kein Vorgespräch-Marathon, keine Newsletter-Falle.