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Stundensatz oder Festpreis: Was dich am Ende teurer kommt

Du holst Angebote für deine neue Website ein und bekommst zwei völlig verschiedene Papiere: einmal "95 Euro pro Stunde, geschätzt 40 bis 60 Stunden", einmal "4.500 Euro fix". Das erste Angebot sieht auf den ersten Blick flexibler und günstiger aus, das zweite unbeweglich und teuer. In der Praxis dreht sich dieses Bild häufig um, sobald das Projekt läuft. Dieser Artikel rechnet beide Modelle an einem realistischen Projektverlauf durch, zeigt dir, wo das Risiko jeweils liegt, und gibt dir eine Prüfliste an die Hand, mit der du erkennst, ob ein Festpreis sauber kalkuliert oder nur schön gerechnet ist.

Lesezeit
11 Min.
Stand
Juli 2026
Kapitel
9

Warum "Was kostet die Stunde?" die falsche erste Frage ist

Der Stundensatz sagt fast nichts über den Endpreis aus.

Die meisten Anfragen starten mit dieser Frage, und sie ist verständlich: Ein Stundensatz ist eine einzelne Zahl, die man vergleichen kann. Nur ist diese Zahl die eine Hälfte der Rechnung. Der Endpreis entsteht aus Stundensatz mal Stunden, und die Stundenzahl kennt zu Beginn niemand exakt, auch der Dienstleister nicht. Ein Anbieter mit 70 Euro, der 90 Stunden braucht, ist teurer als einer mit 110 Euro, der in 45 Stunden fertig ist.

Dazu kommt ein Effekt, den man erst merkt, wenn die dritte Rechnung im Postfach liegt: Beim Stundenmodell zahlt der Kunde nicht nur die produktive Arbeit, sondern auch die Reibung. Jede Rückfrage, jede Abstimmungsrunde, jedes Missverständnis über eine Anforderung, jede Korrekturschleife, die aus einem unklaren Briefing entstanden ist. Reibung ist normal in jedem Projekt. Die Frage ist nur, wer sie bezahlt. Genau darum geht es beim Vergleich der beiden Modelle: nicht um Preis gegen Preis, sondern um Risiko gegen Risiko.

Die zweite Frage, die fast immer fehlt, lautet: Was genau ist drin? Ein Festpreis über 4.500 Euro für sechs Seiten inklusive Texterfassung, Bildoptimierung, technischem Setup, DSGVO-Umsetzung und Launch-Begleitung ist etwas anderes als 4.500 Euro für "Design und Umsetzung". Erst der Leistungsumfang macht eine Zahl vergleichbar. Wie du zwei Angebote sauber gegeneinander stellst, steht im Ratgeber zum Angebotsvergleich. Es gibt am Ende keine grundsätzlich bessere Abrechnungsform, nur Projekte, deren Umfang vorher beschreibbar ist, und solche, bei denen das nicht geht.

Was Webdesign pro Stunde in Deutschland tatsächlich kostet

Erfahrungswerte aus Angeboten, keine amtliche Statistik.

Die folgenden Spannen sind Erfahrungswerte aus dem deutschen Markt, also aus Angeboten, die Kunden in Vergleichsgesprächen auf den Tisch legen. Es gibt keine verbindliche Gebührenordnung für Webdesign, jeder kalkuliert frei. Die Spannen überlappen sich stark, und der Preis allein sagt nichts über Qualität. Was er aber verrät: welche Struktur hinter dem Anbieter steht und wie viele Personen von diesem Satz leben müssen.

AnbietertypStundensatz (Erfahrungswert)Was den Satz treibtTypisches Risiko für dich
Nebenberuflich, Studierendeca. 25 bis 45 EuroKeine Vollkosten, oft kein Gewerbe in VollzeitVerfügbarkeit, Wartung nach Launch, Abbruch bei Jobwechsel
Freelancer, hauptberuflichca. 60 bis 110 EuroVollkosten, Versicherung, Rücklagen, WeiterbildungAusfall bei Krankheit, begrenzte Kapazität in Spitzen
Kleine Agentur (3 bis 15 Personen)ca. 90 bis 150 EuroOverhead, Projektleitung, Büro, VertriebJunior arbeitet, Senior wird abgerechnet; viele Beteiligte, viel Abstimmung
Größere Agenturca. 130 bis 220 EuroStruktur, mehrere Rollen pro Projekt, ProzesseKleine Projekte laufen nebenher, lange Reaktionszeiten
Ausland, Plattform-Vermittlungca. 15 bis 40 EuroNiedrigeres LohnniveauZeitzone, Sprache, DSGVO-Verantwortung, Nachbesserung vor Ort

Der Sprung von 45 auf 110 Euro ist kleiner als er klingt, wenn der teurere Anbieter routinierter ist. Wer eine Kontaktseite mit Formular, Spamschutz, DSGVO-konformer Verarbeitung und Bestätigungsmail zum fünfzigsten Mal baut, braucht zwei Stunden. Wer es zum zweiten Mal macht, braucht sechs. Der Endpreis ist ähnlich, das Ergebnis nicht. Bei Agenturen kommt dazu, dass oft ein Mischsatz abgerechnet wird, obwohl Rollen mit sehr unterschiedlichen Kosten beteiligt sind. Frag nach, welche Rolle mit welchem Satz und wie vielen Stunden eingeplant ist.

Die beiden Modelle im direkten Vergleich

Wer trägt welches Risiko, und was bedeutet das im Alltag?

Der eigentliche Unterschied zwischen Stundensatz und Festpreis ist nicht der Preis, sondern die Verteilung des Schätzrisikos. Beim Stundenmodell trägst du es komplett: Läuft das Projekt länger, zahlst du mehr. Beim Festpreis trägt es der Dienstleister: Braucht er länger als kalkuliert, verdient er weniger. Beides hat Folgen für das Verhalten beider Seiten, und die sind wichtiger als die reine Zahl.

KriteriumStundensatzFestpreis
Wer trägt das SchätzrisikoDu. Jede Mehrstunde geht auf deine Rechnung.Der Dienstleister. Fehleinschätzung geht auf seine Marge.
Planbarkeit für dein BudgetGering. Endsumme steht erst am Schluss fest.Hoch. Die Zahl im Vertrag ist die Zahl auf der Rechnung.
Anreiz beim DienstleisterMehr Aufwand bringt mehr Umsatz. Effizienz wird nicht belohnt.Schneller und sauberer arbeiten erhöht die Marge. Schludern rächt sich in der Nachbesserung.
Umgang mit ÄnderungswünschenUnkompliziert, wird einfach berechnet. Summe wächst unbemerkt.Braucht klaren Änderungsprozess, sonst Streit über "war das drin?".
Aufwand für die VorbereitungNiedrig. Man kann fast ohne Konzept starten.Hoch. Umfang muss vor Vertragsschluss beschrieben sein.
Passt gut beiLaufender Betreuung, Umbauten an bestehenden Seiten, unklarem Scope, Forschung und Prototypen.Neubau einer Unternehmensseite, klarer Seitenstruktur, festem Launch-Termin.
Typischer KonfliktpunktRechnung höher als erwartet, Stundenzettel nicht nachvollziehbar.Grauzone zwischen Korrektur und neuer Anforderung.
Kontrolle über den VerlaufDu kannst jederzeit stoppen, hast aber vielleicht nichts Fertiges.Du bekommst ein fertiges Ergebnis, kannst aber schwerer aussteigen.

Der Punkt mit dem Anreiz wird oft übersehen und ist der wichtigste. Beim Stundenmodell hat niemand ein wirtschaftliches Interesse daran, dass eine Aufgabe schnell erledigt ist. Das heißt nicht, dass Stundenabrechner unehrlich sind, die allermeisten sind es nicht. Es heißt nur, dass Ineffizienz keinen Preis hat.

Beim Festpreis ist das gedreht. Jede unnötige Runde kostet den Dienstleister Geld, also will er ein präzises Briefing, definierte Feedbackrunden und klare Freigaben. Das fühlt sich anfangs unbequemer an, führt aber in aller Regel zu kürzeren Projekten. Der Preis dafür: Du musst vor dem Start wissen, was du willst, zumindest in der Struktur.

Rechenbeispiel: dasselbe Projekt, zwei Abrechnungsmodelle

Ein realistischer Verlauf, Woche für Woche.

Nehmen wir ein typisches Projekt: Handwerksbetrieb mit acht Mitarbeitern, sieben Seiten (Start, Leistungen, drei Detailseiten, Über uns, Kontakt), Fotos vorhanden aber unsortiert, Texte als Word-Datei vom Chef, Kontaktformular, Karte DSGVO-konform, Übernahme der bestehenden Domain. Angebot A: 95 Euro pro Stunde, geschätzt 45 bis 55 Stunden, also 4.275 bis 5.225 Euro. Angebot B für denselben Umfang: 4.500 Euro fix.

So läuft es in der Praxis häufig ab. Die Stundenwerte sind ein Erfahrungsbeispiel, kein Durchschnitt aus einer Erhebung.

ProjektphaseWas passiertStunden (Modell A)Kosten Modell A (95 Euro/Std.)Kosten Modell B (Festpreis)
Briefing und KonzeptZwei Termine, Struktur und Seitenplan6570 Euroim Festpreis
Design EntwurfStartseite plus Unterseiten-Layout121.140 Euroim Festpreis
Korrekturrunde 1Farbe und Schrift gefallen nicht, neuer Entwurf7665 Euroim Festpreis
UmsetzungProgrammierung, responsive, Formular181.710 Euroim Festpreis
Texte und BilderWord-Datei aufbereiten, Fotos freistellen und komprimieren9855 Euroim Festpreis
Korrekturrunde 2Chef will zwei Leistungen ergänzen6570 EuroNachtrag, vorher freigegeben
Rechtstexte und DSGVOConsent, lokale Fonts, Datenschutzhinweise einbauen5475 Euroim Festpreis
Launch und ÜbergabeDomain, SSL, Weiterleitungen, Einweisung5475 Euroim Festpreis
Nacharbeit nach LaunchKleine Fehler, Anpassungen in Woche eins und zwei4380 Euro30 Tage inklusive
Summe726.840 Euro4.500 Euro plus freigegebener Nachtrag

Die Schätzung lautete 45 bis 55 Stunden, gebraucht wurden 72. Das ist kein böswilliges Aufblähen, sondern der Normalfall: zwei Korrekturrunden statt einer, unsortiertes Bildmaterial, ein Chef, der beim Sehen des Entwurfs merkt, dass zwei Leistungen fehlen. Beim Stundenmodell landet dieser Normalfall komplett auf deiner Rechnung. Beim Festpreis landet er beim Dienstleister, mit Ausnahme der echten Zusatzleistung, die als Nachtrag sichtbar und vorab freigegeben wird.

Der Ehrlichkeit halber: Es gibt den umgekehrten Fall. Sitzt das Briefing, sind die Texte fertig und reicht eine Korrekturrunde, dann sind es vielleicht 42 Stunden und knapp 4.000 Euro. Dann wäre das Stundenmodell günstiger gewesen. Die Frage ist, wie oft du auf diesen glatten Verlauf wetten willst.

Wann der Stundensatz eskaliert

Fünf Muster, die eine Stundenrechnung zuverlässig verdoppeln.

Stundenprojekte laufen selten aus einem einzigen großen Grund aus dem Ruder, sondern durch mehrere kleine Effekte, die sich addieren. Wer diese Muster kennt, erkennt früh, ob ein Projekt in die falsche Richtung läuft.

  1. Unklares Briefing: Wenn zu Beginn kein Seitenplan und keine Zieldefinition steht, wird die Struktur während der Gestaltung erfunden. Jede Strukturänderung wirft Designarbeit weg. Das ist der teuerste Einzelposten in fast jedem entgleisten Projekt.
  2. Mehrere Entscheider ohne festen Sprecher: Wenn Feedback aus drei Richtungen kommt und sich widerspricht, entstehen Runden, die nichts verbessern. Bei Stundenabrechnung zahlst du jede davon.
  3. Zulieferungen kommen spät oder unvollständig: Texte, Logo in Vektorform, Fotos in Auflösung. Jedes Nachfassen, jede Zwischenversion mit Platzhaltern und jeder spätere Austausch ist Arbeitszeit.
  4. Der Scope wächst nebenbei: Erst ein Blog, dann ein Newsletter, dann noch eine Landingpage für die Messe. Einzeln klingt jeder Wunsch klein, in Summe ist es ein zweites Projekt.
  5. Keine Obergrenze im Vertrag: Ohne vereinbarten Deckel oder Informationsschwelle erfährst du erst mit der Rechnung, dass die Schätzung überschritten wurde. Dann ist die Arbeit schon geleistet.

Gegen die ersten vier Punkte kannst du selbst etwas tun, und das lohnt sich in jedem Modell. Gegen den fünften hilft nur eine Vertragsklausel. Wenn du bei Stundenabrechnung bleibst, verlang mindestens: eine Schätzung mit Spanne und benannten Annahmen, eine Informationspflicht bei 80 Prozent des geschätzten Aufwands, eine harte Obergrenze ohne deren schriftliche Freigabe nicht weitergearbeitet wird, und einen Stundennachweis mit Datum, Dauer und Tätigkeit statt "Webdesign, 14 Stunden". Klär außerdem, ob Telefonate und E-Mails mitgezählt werden. Beides ist legitim, aber du solltest es wissen, bevor du zum Hörer greifst.

Woran du erkennst, ob ein Festpreis seriös kalkuliert ist

Ein Festpreis ist nur so gut wie die Leistungsbeschreibung dahinter.

Ein Festpreis schützt dich nicht automatisch. Er schützt dich genau in dem Umfang, in dem die Leistung beschrieben ist. Steht im Angebot nur "Erstellung einer Website, 4.500 Euro", dann ist das kein Festpreis, sondern eine Anzahlung auf eine spätere Diskussion. Die folgende Prüfliste kannst du direkt an ein vorliegendes Angebot anlegen.

PrüfpunktGutes ZeichenWarnsignalWas du fragen solltest
SeitenumfangJede Seite einzeln benannt, Anzahl fixiert"Website mit mehreren Unterseiten"Wie viele Seiten genau, und was kostet eine zusätzliche?
KorrekturrundenAnzahl und Umfang definiert, z. B. zwei Runden je PhaseKeine Angabe oder "unbegrenzt"Was gilt als Korrektur, was als neue Anforderung?
InhalteKlar, wer Texte und Bilder liefert und in welcher FormWird gar nicht erwähntWer schreibt die Texte, wer bearbeitet die Fotos?
Technik und RechtLadezeit-Ziel, DSGVO-Umsetzung, Consent, lokale Fonts benanntNur "SEO-optimiert" als SchlagwortWelcher messbare Wert wird zugesagt, womit gemessen?
ZeitplanTermine mit Mitwirkungspflichten des KundenNur "zeitnah" oder gar nichtsWas passiert, wenn ich Inhalte spät liefere?
Nach dem LaunchSupportzeitraum benannt, Folgekosten transparentSupport endet mit RechnungsstellungWas kostet Wartung, ab wann, mit welcher Reaktionszeit?
EigentumWebsite, Domain und Code gehören dirZugänge bleiben beim DienstleisterBekomme ich alle Zugänge und den Quellcode?
Position "Sonstiges"Existiert nicht, jede Position ist benanntSammelposten mit vierstelligem BetragWas genau steckt in dieser Position?

Landet ein Angebot bei mehr als zwei dieser Punkte in der Warnsignal-Spalte, ist die Zahl darunter nicht belastbar, egal wie fest sie formuliert ist. Ein sauber kalkulierter Festpreis ist daran erkennbar, dass der Dienstleister sich vorher Arbeit gemacht hat: Er hat Fragen gestellt, die dir vielleicht lästig vorkamen, und Annahmen aufgeschrieben. Genau diese Vorarbeit ist der Grund, warum er den Preis garantieren kann. Umgekehrt ist ein Festpreis, der ohne Gespräch nach zwei Stunden im Postfach liegt, schlicht geraten. Geratene Festpreise enden in Nachforderungen oder in schlechter Arbeit.

So arbeitet auch Pixylmedia: Preis fix vor Projektstart, jede Position benannt, keine Sammelposition "Sonstiges". Die Pakete starten bei 2.000 Euro, liegen bei 4.500 Euro für den größeren Standardumfang und werden bei komplexeren Anforderungen ab 5.000 Euro individuell kalkuliert. Nicht weil Festpreis immer besser wäre, sondern weil sich bei Unternehmensseiten der Umfang vorher sauber festlegen lässt.

Wann der Festpreis die schlechtere Wahl ist

Es gibt Projekte, bei denen Festpreis für beide Seiten Unsinn ist.

Ein Festpreis funktioniert nur, wenn der Umfang beschreibbar ist. Sonst passiert eines von zwei Dingen: Der Dienstleister packt einen dicken Risikoaufschlag drauf (dann zahlst du für ein Risiko, das nie eintritt), oder er kalkuliert knapp und spart später an der Qualität. Beides ist schlechter als eine ehrliche Stundenabrechnung.

  • Laufende Betreuung und Weiterentwicklung: Wenn du über Monate immer wieder kleine Änderungen brauchst, ist ein Stundenkontingent oder ein monatlicher Care-Plan sinnvoller als ein Festpreis pro Änderung.
  • Arbeiten an einer bestehenden, fremden Website: Niemand kann seriös festpreisen, was in einem gewachsenen System steckt, das er nie gesehen hat. Sinnvoll ist hier ein bezahlter Analyseblock als Festpreis, danach eine belastbare Aussage.
  • Projekte mit echtem Erkundungsanteil: Prototypen, Tests verschiedener Ansätze, alles wo das Ziel bewusst offen ist. Hier ist Stundenabrechnung fair, weil das Ergebnis nicht vorher feststeht.
  • Fehlersuche und Notfälle: Warum eine Seite plötzlich nicht mehr lädt, weiß man erst hinterher. Ein Festpreis dafür wäre entweder Wucher oder Selbstausbeutung.
  • Sehr kleine Aufgaben: Für einen ausgetauschten Text oder ein neues Foto ist ein Angebotsprozess teurer als die Arbeit. Ein kleiner Stundensatz oder eine Pauschale pro Vorgang ist praktischer.

Und es gibt den Fall, in dem beide Modelle zu viel sind. Für ein reines Hobbyprojekt, eine Vereins-Infoseite ohne Anspruch oder eine Seite, die nur existieren soll, damit man etwas verlinken kann, reicht ein Baukasten für 15 bis 30 Euro im Monat. Das ist keine schlechtere, sondern die passende Lösung. Individuelle Entwicklung lohnt sich erst, wenn die Website Umsatz beeinflusst, wenn du dich vom Wettbewerb unterscheiden musst oder wenn technische Anforderungen dazukommen, die ein Baukasten nicht abbildet.

Manchmal lautet die richtige Antwort auf ein Angebot auch nicht "Stundensatz oder Festpreis", sondern "erstmal kleiner anfangen". Eine gut gemachte einseitige Website mit klarer Botschaft und funktionierendem Kontaktweg bringt oft mehr als eine zwölfseitige Struktur, die zur Hälfte leer bleibt. Zur richtigen Größe für den Start gibt es einen eigenen Ratgeber zum Thema Umfang und Seitenanzahl.

Mischformen, die in der Praxis am besten funktionieren

Festpreis für das Planbare, Stunden für das Unplanbare.

Die meisten guten Verträge sind keine Reinform. Sie legen den Teil fest, der festlegbar ist, und rechnen den Rest transparent ab. Drei Kombinationen haben sich bewährt.

Erstens: Festpreis für das Projekt, Stundensatz für alles danach. Der Neubau läuft zum Festpreis mit definiertem Umfang, spätere Änderungen über einen offen genannten Stundensatz oder einen monatlichen Wartungsvertrag. Das ist der Normalfall bei Unternehmensseiten. Wichtig ist nur, dass dieser Stundensatz schon im ersten Angebot steht, damit du nach dem Launch nicht überrascht wirst.

Zweitens: Bezahlter Konzeptblock, dann Festpreis. Statt gleich das ganze Projekt zu schätzen, wird zuerst ein abgegrenzter Konzeptteil beauftragt (Struktur, Zieldefinition, Seitenplan, technische Anforderungen). Danach steht ein belastbarer Festpreis für die Umsetzung. Der Vorteil: Du kannst nach dem Konzept aussteigen und hast ein verwertbares Ergebnis in der Hand, mit dem du andere Angebote einholen kannst.

Drittens: Festpreis mit Änderungsbudget. Der Umfang ist fix, zusätzlich wird ein Kontingent für Änderungswünsche vereinbart, zum Beispiel zehn Stunden. Wird es nicht gebraucht, wird es nicht berechnet.

Fazit: worauf es wirklich ankommt

Kein Modell ist besser. Aber eines passt zu deinem Projekt.

Der Stundensatz ist keine Preisangabe, sondern eine Rechengröße. Wer zwei Angebote nur nach dieser Zahl vergleicht, vergleicht nichts. Entscheidend ist, wer das Risiko trägt, wenn es länger dauert als gedacht, und wie klar der Umfang vorher beschrieben ist. Im Rechenbeispiel lag die Schätzung bei 45 bis 55 Stunden, gebraucht wurden 72. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil Projekte so laufen.

Als Faustregel: Wenn du sagen kannst, wie viele Seiten deine Website haben soll, was auf jeder davon passieren soll und wann sie live sein muss, dann nimm den Festpreis. Wenn du das nicht sagen kannst, hol dir zuerst Klarheit (notfalls über einen bezahlten Konzeptblock), statt ein unklares Projekt nach Stunden abzurechnen und zu hoffen, dass es günstig wird.

Konkret für dein nächstes Angebot: Leg die Prüfliste aus Kapitel sechs daneben und geh sie Zeile für Zeile durch. Frag bei jedem Punkt nach, der in der Warnsignal-Spalte landet. Bestehe auf einer Obergrenze, wenn nach Stunden abgerechnet wird, und auf einer Definition von Korrektur gegenüber Änderung, wenn ein Festpreis vereinbart wird. Diese beiden Punkte verhindern die meisten Konflikte in Webprojekten.

Und wenn du merkst, dass dein Vorhaben klein ist und keine individuelle Entwicklung braucht: Nimm den Baukasten und investier das Geld in Fotos, Texte oder Werbung. Ein ehrliches Nein zum großen Projekt ist mehr wert als ein Festpreis für etwas, das du nicht brauchst.

Häufige Fragen

Was kostet Webdesign pro Stunde in Deutschland?
Übliche Stundensätze liegen als Erfahrungswert bei 25 bis 45 Euro nebenberuflich, 60 bis 110 Euro bei hauptberuflichen Freelancern und 90 bis 220 Euro in Agenturen. Diese Zahl allein sagt nichts über den Endpreis, denn der entsteht aus Stundensatz mal Stunden. Ein Anbieter mit 70 Euro und 90 Stunden ist teurer als einer mit 110 Euro und 45 Stunden.
Ist Festpreis oder Stundensatz beim Webdesign günstiger?
Der Festpreis sieht auf dem Papier oft teurer aus, ist im Projektverlauf aber häufig günstiger. In einem realistischen Erfahrungsbeispiel lautete die Schätzung 45 bis 55 Stunden, gebraucht wurden 72. Bei 95 Euro pro Stunde sind das rund 6.800 Euro statt der geschätzten 4.300 bis 5.200 Euro. Beim Festpreis trägt dieses Schätzrisiko der Dienstleister, nicht du.
Was kostet eine Website zum Festpreis?
Als Erfahrungswert liegen Festpreise für eine Unternehmensseite zwischen etwa 2.000 Euro für einen kompakten Auftritt und 4.500 Euro für den größeren Standardumfang, bei komplexeren Anforderungen wird ab 5.000 Euro individuell kalkuliert. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern was darin enthalten ist: Seitenanzahl, Korrekturrunden, Texterfassung, DSGVO-Umsetzung, Launch und der Support danach.
Woran erkenne ich, ob ein Festpreis seriös kalkuliert ist?
Ein Festpreis ist seriös kalkuliert, wenn jede Seite einzeln benannt ist, die Anzahl der Korrekturrunden feststeht, geklärt ist wer Texte und Bilder liefert, und ein Supportzeitraum samt Folgekosten genannt wird. Warnsignale sind vage Angaben wie Website mit mehreren Unterseiten oder ein Sammelposten Sonstiges mit vierstelligem Betrag. Ein Preis, der ohne Gespräch im Postfach liegt, ist geraten.
Brauche ich bei Stundenabrechnung eine Obergrenze im Vertrag?
Ja, ohne Obergrenze erfährst du erst mit der Rechnung, dass die Schätzung überschritten wurde. Verlang eine Schätzung mit Spanne und benannten Annahmen, eine Informationspflicht bei 80 Prozent des geschätzten Aufwands, eine harte Obergrenze, die nur mit deiner schriftlichen Freigabe überschritten wird, und einen Stundennachweis mit Datum, Dauer und Tätigkeit. Klär außerdem, ob Telefonate und E-Mails mitgezählt werden.

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