Website für Agenturen und Studios: Wenn die eigene Seite überzeugen muss
Bei Kreativdienstleistern ist die eigene Website das einzige Arbeitsergebnis, das jeder Interessent sieht, bevor er dich überhaupt kennt. Sie ist Beweisstück und Produkt in einem, und genau deshalb bleibt sie in den meisten Agenturen und Studios jahrelang liegen: kein Kunde, keine Deadline, kein Budget, dafür sehr viele Meinungen im Haus. Dieser Artikel zeigt dir, wie eine Agenturseite tatsächlich gelesen wird (nämlich gar nicht, sondern geprüft), wie du Projekte als Case Study aufbaust statt als Bildergalerie, wie du Anfragen vorqualifizierst und was die eigene Seite realistisch an Zeit und Geld kostet.
- 13 Min.
- Juli 2026
- 9
Warum die eigene Seite der schwierigste Kunde ist
Bei fremden Projekten entscheidest du in Minuten. Beim eigenen diskutiert ihr drei Wochen über eine Farbe.
Du baust Websites, Kampagnen, Marken, Content. Trotzdem ist die eigene Seite in vielen Agenturen und Studios das Projekt, das seit drei Jahren im Backlog hängt. Der Grund ist banal: Es gibt keinen Auftraggeber, der eine Frist setzt, kein Budget, das verfällt, und keine Rechnung am Ende. Sobald ein bezahltes Projekt reinkommt, wandert die eigene Seite nach hinten, und zwar jedes Mal. Der zweite Grund ist unangenehmer: Beim eigenen Auftritt fehlt die Distanz. Für einen Kunden triffst du eine Layoutentscheidung in zehn Minuten, für euch selbst wird daraus eine Grundsatzdebatte.
Dazu kommt ein Anspruchsproblem. Eine Website für einen Steuerberater darf pragmatisch sein. Die eigene Seite soll das Können beweisen, also wird sie größer geplant, als sie sein müsste: eigenes Design-System, aufwendige Animationen, ein Journal, ein Karrierebereich, dazu eine Bildsprache, für die es noch gar kein Material gibt. Das Projekt wächst, bis es nicht mehr fertig werden kann. Online steht dann eine halbe Baustelle, die weniger überzeugt als eine schlichte, aber fertige Seite mit drei sauber dokumentierten Projekten.
Der Einsatz ist trotzdem hoch, höher als in fast jeder anderen Branche. Bei Kreativdienstleistern ist die Website nicht die Visitenkarte neben dem Produkt, sie ist eine Arbeitsprobe. Wer dich empfohlen bekommt, googelt dich, bevor er anruft. Wer dich auf eine Shortlist setzt, klickt sich vorher durch. Was er dort findet, entscheidet nicht nur darüber, ob er anfragt, sondern auch mit welcher Erwartung an Preis und Qualität er ins Gespräch geht. Eine schwache Seite kostet dich nicht nur Anfragen, sie kostet dich Honorar.
Wer wirklich auf deiner Seite landet
- Empfohlene Kontakte, die deinen Namen von jemandem gehört haben und prüfen wollen, ob die Empfehlung trägt.
- Marketingleitung und Einkauf, die drei Anbieter vergleichen und dabei buchstäblich drei Tabs nebeneinander offen haben.
- Bewerber, die vor dem Gespräch wissen wollen, an welchen Projekten sie arbeiten würden und wer im Team ist.
- Freelancer, Partner und Presse, die eine schnelle Einordnung brauchen: was ihr macht, für wen, wie groß ihr seid.
- Bestandskunden, die intern begründen müssen, warum ausgerechnet ihr das Budget bekommt.
Diese Gruppen haben eines gemeinsam: Sie lesen deine Seite nicht, sie prüfen sie. Der Unterschied ist für den Aufbau entscheidend. Ein Leser folgt einer Erzählung von oben nach unten. Ein Prüfer springt, sucht drei bis vier Belege und ist nach zwei Minuten fertig. Er will wissen: Macht ihr so etwas wie das, was ich brauche? Für Kunden meiner Größe? Wer würde konkret an dem Projekt arbeiten? Und in welcher Größenordnung bewegt sich das? Findet er darauf keine Antwort, klickt er weiter, ohne dir jemals eine Rückmeldung zu geben.
Positionierung: der Satz, der über den Rest der Seite entscheidet
Wer alles macht, wird für nichts gerufen. Das ist der teuerste Satz der Branche.
Auf sehr vielen Agenturseiten steht oben eine Variante von „Full-Service-Agentur für digitale Kommunikation". Der Satz ist nicht falsch, er ist nur leer. Er beschreibt eine Kategorie, keine Entscheidung. Der Prüfer, der gerade drei Tabs vergleicht, kann daraus nichts ableiten und geht zum nächsten. Ein tragfähiger Positionierungssatz benennt drei Dinge: für wen du arbeitest, was du konkret lieferst und welchen Unterschied das macht. Sobald einer der drei Teile fehlt, wird es wieder beliebig.
Das gilt für Social-Media-Agenturen genauso wie für Designstudios. „Social Media für Unternehmen" sagt nichts. „Wir übernehmen Redaktionsplanung, Produktion und Community-Management für Handelsunternehmen mit eigenen Filialen" sagt eine Menge: Es filtert Einzelunternehmer heraus, es erklärt den Leistungsumfang und es signalisiert, dass ihr die Besonderheiten von Filialstrukturen kennt. Der Satz ist unspektakulär. Genau das ist seine Stärke, denn er ist überprüfbar.
Drei Tests für deinen Startseiten-Satz
- Austauschtest: Setz den Namen eines Wettbewerbers über den Satz. Stimmt er immer noch, ist es keine Positionierung, sondern eine Branchenbeschreibung.
- Gegenteiltest: Könnte ein seriöser Anbieter glaubwürdig das Gegenteil behaupten? Wenn nicht (Beispiel: „Wir liefern pünktlich"), ist es eine Selbstverständlichkeit und kein Argument.
- Kundentest: Würde sich dein bester Bestandskunde in dem Satz wiedererkennen und sagen „ja, genau das macht ihr für uns"? Wenn er zögert, ist der Satz zu weit weg von der Realität.
Ehrlich dazu gehört: Positionierung ist ein Risiko und kein Trick. Sie reduziert die Zahl der Anfragen, bevor sie die Qualität erhöht. Wenn du in einer Region mit dünnem Markt sitzt und dein Umsatz aus einem breiten Mix aus Kleinaufträgen kommt, kann eine harte Spezialisierung dich Geld kosten. Dann ist ein anderer Weg oft klüger: eine breite Startseite, aber zwei bis drei eigene Unterseiten für die Branchen, in denen du wirklich stark bist. So bleibst du auffindbar, ohne dich zu verstellen.
Der unterschätzte Teil der Positionierung ist das Gegenstück: wofür du nicht stehst. Ein kurzer Abschnitt „Passt nicht zu uns" mit drei bis vier ehrlichen Punkten (keine reinen Umsetzungsjobs nach fremdem Layout, keine Projekte unter einer bestimmten Größe, keine Betreuung ohne Zugang zu den Verantwortlichen) spart beiden Seiten Zeit. Er wirkt außerdem selbstbewusst, weil ihn nur schreiben kann, wer nicht jeden Auftrag braucht. Die Erfahrung zeigt: Genau dieser Abschnitt wird überdurchschnittlich oft gelesen.
Portfolio-Logik: warum die Bildergalerie nicht mehr trägt
Zwanzig Screenshots in einem Raster beweisen, dass du Screenshots machen kannst.
Das klassische Agenturportfolio ist ein Raster aus Projektbildern: Mockup, Markenname, vielleicht ein Schlagwort wie „Branding, Web". Klickt man darauf, kommen sechs weitere Bilder in groß. Das war zehn Jahre lang Standard und funktioniert heute schlecht, weil es genau die Fragen nicht beantwortet, mit denen jemand auf die Seite kommt. Ein Bild zeigt eine Oberfläche. Es zeigt nicht, welches Problem dahinterstand, was ihr entschieden habt, was ihr davon selbst gemacht habt und was daraus geworden ist.
Dazu kommt ein Vertrauensproblem, das die Branche sich selbst gebaut hat. Weil Mockups leicht herzustellen sind, sagt ein hübsches Portfolio wenig über die tatsächliche Umsetzungskraft aus. Erfahrene Einkäufer wissen das. Sie klicken deshalb inzwischen häufiger auf die Live-Links als auf die Bilder, und sie merken sofort, wenn es keine gibt. Wenn du Projekte zeigst, die nie live gegangen sind, oder Arbeiten, an denen du nur einen Teil hattest, gehört das gekennzeichnet. Wie man Referenzen von außen prüft, steht im Ratgeber zum Prüfen von Referenzen, und du solltest davon ausgehen, dass gute Kunden genau so vorgehen.
| Typischer Portfolio-Fehler | Was der Prüfer daraus liest | Was stattdessen funktioniert |
|---|---|---|
| Nur Mockups, kein Link zur Live-Seite | Entweder ist das Projekt nie gelaunched oder es sieht heute anders aus | Live-Link direkt neben dem Projekttitel, bei abgelaufenen Projekten ein ehrlicher Hinweis „Stand 2024, inzwischen relauncht" |
| Kein Auftraggeber genannt | Konzeptarbeit, Studienprojekt oder fremde Arbeit | Firmenname, Branche und Größenordnung nennen, bei Vertraulichkeit „Maschinenbauer, rund 200 Mitarbeitende" statt anonymer Leere |
| Kein Hinweis auf den eigenen Anteil | Unklar, ob ihr Konzept, Design, Umsetzung oder nur Beratung gemacht habt | Ein Feld „Unser Anteil" mit klarer Aufzählung, inklusive dem, was der Kunde oder Dritte beigesteuert haben |
| Zwanzig Projekte in gleicher Gewichtung | Ihr habt kein Profil, das ist ein Sammelsurium | Drei bis fünf ausführliche Fälle, der Rest als schlichte Kundenliste ohne Bilder |
| Nur Design-Ergebnis, kein Prozess | Schönes Bild, aber wie arbeitet ihr im Projekt? | Zwischenstände zeigen: erste Skizze, verworfene Richtung, finale Lösung, dazu je zwei Sätze zur Begründung |
| Ergebnisse nur als Superlativ („riesiger Erfolg") | Marketingtext ohne Substanz, wird überlesen | Entweder eine konkrete, belegbare Zahl mit Zeitraum, oder eine ehrliche qualitative Aussage plus O-Ton des Kunden |
Die Konsequenz aus dieser Tabelle ist unbequem, aber sie spart Arbeit: Weniger Projekte, dafür tiefer. Drei gut dokumentierte Fälle schlagen zwanzig Kacheln, und zwar deutlich. Der Rest deiner Arbeiten darf als reine Kundenliste stehen, ohne Bilder, ohne Beschreibung. Das wirkt nicht dünn, sondern sortiert. Und es senkt die Hürde, das Portfolio überhaupt zu pflegen, weil du nicht mehr für jedes Projekt eine Bildstrecke produzieren musst.
Der Aufbau einer Case Study, die wirklich gelesen wird
Eine gute Case Study ist kein Bericht. Sie ist eine Beweiskette.
Eine Case Study beantwortet die Frage, die jeder Interessent im Kopf hat, aber selten stellt: Was passiert, wenn ich mit euch arbeite? Sie funktioniert wie eine Kette: Ausgangslage, Aufgabe, Entscheidung, Umsetzung, Ergebnis. Fehlt ein Glied, bricht die Wirkung. Der häufigste Bruch sitzt bei „Entscheidung": Die meisten Case Studies springen vom Problem direkt zum schönen Ergebnis und lassen weg, warum es so aussieht, wie es aussieht. Genau dieser Teil ist aber der einzige, den ein Wettbewerber nicht einfach kopieren kann.
| Abschnitt | Was hineingehört | Umfang | Frage, die er beantwortet |
|---|---|---|---|
| Kopfzeile | Kunde, Branche, Größenordnung, Jahr, Leistungen, Live-Link | 5 bis 8 Zeilen als Faktenblock | Ist das ein Fall wie meiner? |
| Ausgangslage | Was vorher da war, was nicht funktionierte, welcher Anlass den Auftrag ausgelöst hat | 2 bis 3 Absätze | Kennen die mein Problem? |
| Aufgabe und Rahmen | Zielsetzung, Budgetrahmen oder Zeitrahmen, Einschränkungen (Altsystem, Freigabewege, Vorgaben) | 1 Absatz plus kurze Liste | Arbeiten die unter realen Bedingungen? |
| Entscheidungen | Zwei bis drei zentrale Weichenstellungen mit Begründung, ausdrücklich auch verworfene Optionen | 2 bis 4 Absätze, gern mit Zwischenstand-Bildern | Denken die mit oder setzen sie nur um? |
| Umsetzung | Wer im Team was gemacht hat, welche Technik, welche Zusammenarbeit mit dem Kunden | 1 bis 2 Absätze | Wie viel Arbeit bleibt bei mir? |
| Ergebnis | Belegbare Zahlen mit Zeitraum und Messquelle, oder ehrlich qualitativ, plus O-Ton des Kunden | 1 Absatz plus Zitat | Hat es etwas gebracht? |
| Was heute anders wäre | Ein selbstkritischer Absatz: was ihr rückblickend anders lösen würdet | 3 bis 5 Sätze | Sind das ehrliche Leute? |
Der letzte Abschnitt fehlt in 95 von 100 Case Studies und ist der wirksamste. Wer offen schreibt, dass die Bildproduktion zu spät gestartet wurde oder dass ein Feature im Nachhinein überflüssig war, wirkt nicht schwach, sondern erfahren. Es ist außerdem der Absatz, der im Erstgespräch am häufigsten zitiert wird. Voraussetzung: Es muss eine echte fachliche Reflexion sein und keine getarnte Eigenwerbung im Stil von „rückblickend hätten wir uns noch mehr reinhängen können".
Das Zahlenproblem ehrlich lösen
Viele Agenturen dürfen keine Zahlen nennen, weil der Kunde es untersagt, oder sie haben schlicht keine, weil nie sauber gemessen wurde. Die falsche Antwort darauf sind erfundene oder geschönte Werte. „Plus 300 Prozent Reichweite" ohne Zeitraum, Ausgangsbasis und Quelle ist kein Beleg, sondern ein Signal, dass hier jemand mit Zahlen spielt. Prüfer erkennen das sofort, und danach glauben sie auch den echten Zahlen nicht mehr.
- Wenn du Zahlen hast: immer mit Zeitraum, Ausgangswert und Messquelle nennen, zum Beispiel „Anfragen über das Kontaktformular von 4 auf 11 pro Monat, Zeitraum sechs Monate nach Launch, gemessen im CRM des Kunden".
- Wenn der Kunde keine Zahlen freigibt: relative Aussagen ohne Kundennamen verwenden und den Kunden nur als Branche und Größe beschreiben.
- Wenn es keine Zahlen gibt: qualitativ und konkret werden. „Der Vertrieb schickt seit dem Launch keine PDF-Preislisten mehr per Mail, sondern verlinkt die Produktseite" ist ein besserer Beleg als jede runde Prozentzahl.
- Immer ein O-Ton mit vollem Namen und Funktion, keine anonymen Zitate von „M. K., Geschäftsführer". Anonyme Lobsprüche schaden mehr, als sie nützen.
Team, Größe und die Frage, wer am Ende wirklich arbeitet
Die meistgestellte unausgesprochene Frage: Wer sitzt später mit mir im Call?
Kunden kaufen bei Dienstleistern keine Firma, sondern Menschen. Deshalb ist die Teamseite auf Agenturwebsites regelmäßig die zweit- oder drittmeistbesuchte Seite, direkt hinter Startseite und Referenzen. Trotzdem steht dort oft nur ein Gruppenfoto mit Vornamen. Das lässt die entscheidende Frage offen: Führt der, der im Erstgespräch sitzt, das Projekt auch, oder übergibt er nach Vertragsunterschrift an jemanden, den ich noch nicht gesehen habe? Wer diese Frage auf der Website beantwortet, nimmt aus dem Verkaufsprozess eine Menge Misstrauen heraus.
Für kleine Studios und Einzelpersonen ist das eine Chance, keine Schwäche. Der Reflex, sich größer zu machen als man ist, ist verständlich und schadet trotzdem. Ein „Wir" auf jeder Seite, ein Stockfoto-Team im Loft und die Formulierung „unsere Experten" fliegen spätestens im ersten Videocall auf, und dann startet das Projekt mit einer Notlüge. Umgekehrt ist eine klare Ansage („Eine Person vom Briefing bis Go-Live, keine Zwischenebene") für viele Auftraggeber ein Kaufargument, weil sie genau die Weiterreicherei aus früheren Projekten kennen. Pixylmedia nennt sich aus demselben Grund Werkstatt und nicht Agentur: Es beschreibt, was der Kunde tatsächlich bekommt.
Ein praktischer Hinweis zu Fotos: Echte Bilder von echten Menschen an einem echten Arbeitsplatz schlagen jedes gekaufte Motiv, selbst wenn sie technisch schlechter sind. Kunden erkennen Stockfotos zuverlässig, und bei einer Agentur, die selbst Bildsprache verkauft, wirkt ein gekauftes Teamfoto besonders unglücklich. Wenn ihr keine guten Bilder habt, ist ein halber Tag mit einem Fotografen in der Regel besser investiert als in eine weitere Layoutrunde.
Anfragen vorqualifizieren, statt Anfragen zu sammeln
Zwanzig Anfragen im Monat, von denen achtzehn nicht passen, sind kein Erfolg, sondern eine Zeitfalle.
Die meisten Agenturseiten sind darauf optimiert, möglichst viele Kontakte zu erzeugen. Das ist bei einem Dienstleistungsgeschäft mit begrenzter Kapazität selten sinnvoll. Jede unpassende Anfrage kostet dich Erstgespräch, Angebot und Nachfassen, im Schnitt also mehrere Stunden, für die niemand zahlt. Ziel ist deshalb nicht die höchste Anfragezahl, sondern die höchste Trefferquote. Und die steuerst du über das, was du vor dem Formular zeigst und was du im Formular abfragst.
| Baustein auf der Seite | Wirkung auf die Anfragemenge | Wirkung auf die Trefferquote | Aufwand für dich |
|---|---|---|---|
| Preisspannen oder Startpreise nennen | Deutlich weniger Anfragen | Stark höher, Budgetgespräche entfallen fast komplett | Gering, einmal formulieren |
| Abschnitt „Passt nicht zu uns" | Etwas weniger | Höher, filtert Nicht-Zielgruppe früh heraus | Sehr gering, drei bis vier Sätze |
| Budgetrahmen als Auswahlfeld im Formular | Leicht weniger, manche brechen ab | Deutlich höher, du priorisierst nach echtem Rahmen | Gering, ein Formularfeld |
| Pflichtfeld „Wunschtermin für den Start" | Nahezu unverändert | Höher, du erkennst unrealistische Zeitpläne vor dem Gespräch | Gering |
| Detaillierter Fragebogen mit 15 Feldern | Stark weniger, hohe Abbruchquote | Uneindeutig, gute Kunden mit wenig Zeit springen ebenfalls ab | Mittel, Pflege und Auswertung |
| Nur E-Mail-Adresse im Impressum, kein Formular | Weniger | Niedriger, du bekommst unstrukturierte Anfragen ohne Kontext | Gering, aber teuer in der Nachbearbeitung |
Der wirksamste Hebel in dieser Tabelle ist der erste, und er ist zugleich der umstrittenste. Viele Agenturen nennen keine Preise, weil jedes Projekt anders ist. Das stimmt, ändert aber nichts daran, dass jeder Interessent eine Größenordnung im Kopf hat. Nennst du sie nicht, rät er, und er rät oft falsch. Eine Formulierung wie „Projekte starten bei X, der übliche Rahmen liegt zwischen X und Y" nimmt dir keine Verhandlungsspielräume, sie sortiert nur die aus, die ein Zehntel davon eingeplant haben. Wie du Angebote auf Vergleichbarkeit prüfst, steht im Ratgeber zum Angebotsvergleich, und dieselbe Logik gilt für das, was du selbst kommunizierst.
Ein zweiter Punkt wird häufig übersehen: die Seite nach dem Absenden. Wer das Formular abschickt und nur „Danke" liest, weiß nicht, was passiert. Schreib dort hin, wann du antwortest (verbindlich, zum Beispiel innerhalb eines Werktags), was du im ersten Gespräch klärst und wie lange es dauert. Das kostet dich zehn Minuten und senkt die Zahl der Nachfassmails spürbar. Dieselbe Klarheit gehört an die Stelle, an der du Verfügbarkeit kommunizierst: Wer erst in acht Wochen starten kann, sollte das schreiben, statt es im dritten Call zu erwähnen.
Was die eigene Seite realistisch kostet, an Geld und an Zeit
Selbst bauen ist nicht kostenlos, es ist nur unsichtbar teuer.
Bei Agenturen entstehen die Kosten der eigenen Website meist an einer Stelle, die niemand bucht: interne Stunden, die nicht fakturiert werden. Zwei Wochen Konzept, drei Wochen Design, vier Wochen Umsetzung im Nebenher, dazu die Texte, die dreimal umgeschrieben werden. Wenn du diese Stunden zu deinem eigenen Satz bewertest, liegt die selbst gebaute Agenturseite oft über dem, was eine externe Vergabe gekostet hätte. Das ist kein Argument gegen Eigenbau, aber es gehört in die Rechnung, bevor entschieden wird.
| Umfang | Was typischerweise dazugehört | Preisspanne extern (Erfahrungswert) | Realistische Dauer |
|---|---|---|---|
| Schlanker Auftritt | Startseite, Leistungen, Über uns, Kontakt, Kundenliste ohne Case Studies | in der Praxis meist zwischen 2.000 und 4.500 Euro | 2 bis 4 Wochen |
| Portfolioseite mit Case Studies | Wie oben, plus Projektübersicht und 3 bis 5 ausführliche Fälle, Redaktionsstruktur | in der Praxis meist zwischen 4.500 und 9.000 Euro | 4 bis 8 Wochen |
| Auftritt mit Journal und Karriere | Zusätzlich Blog- oder Journalbereich, Stellenanzeigen, Bewerbungsformular | in der Praxis meist zwischen 7.000 und 15.000 Euro | 6 bis 12 Wochen |
| Eigenes Design-System und Sonderanimationen | Individuelle Komponentenbibliothek, aufwendige Bewegtbild- und Interaktionsebene | ab etwa 15.000 Euro, nach oben offen | 3 bis 6 Monate |
| Eigenbau im Haus | Interne Stunden für Konzept, Design, Umsetzung, Text, Bilder | meist 60 bis 150 interne Stunden, die nirgends auftauchen | 3 Monate bis nie |
Die Spannen sind Erfahrungswerte aus dem deutschen Markt und schwanken je nach Region, Textaufwand und Bildproduktion erheblich. Wichtiger als der genaue Betrag ist die letzte Zeile: „drei Monate bis nie" ist bei Agenturen der häufigste reale Ausgang. Deshalb entscheiden sich einige Studios bewusst dafür, ihre eigene Seite extern bauen zu lassen, obwohl sie es selbst könnten. Nicht wegen fehlender Fähigkeit, sondern weil ein externer Auftrag einen Termin, ein Budget und eine Verbindlichkeit erzeugt, die intern nie entsteht. Bei Pixylmedia steht der Festpreis vor Projektstart fest und der Launch nach 14 Tagen im Kalender, was genau dieses Problem löst: Es gibt wieder eine Deadline.
Wann externe Vergabe unsinnig ist, gehört genauso gesagt. Wenn ihr ein Studio mit eigener Entwicklungsabteilung seid, gerade eine Auftragslücke habt und die Seite ohnehin als Trainingsprojekt für neue Technik nutzen wollt, baut sie selbst. Wenn ihr eine reine Konzeptagentur ohne Umsetzungskompetenz seid und die Seite in vier Wochen stehen soll, vergebt sie. Und wenn es sich um ein reines Nebenprojekt handelt, das nur eine Adresse und ein Impressum braucht, reicht ein Baukasten völlig aus, da ist eine individuell gebaute Seite hinausgeworfenes Geld.
Ein letzter Kostenpunkt, der bei Agenturseiten überdurchschnittlich oft unterschätzt wird: die Pflege. Case Studies veralten, Teammitglieder wechseln, Projekte gehen offline. Eine Portfolioseite, die zwei Jahre nicht angefasst wurde, wirkt schlechter als eine kleine, aktuelle Seite. Plan also von Anfang an ein, wer die Fälle pflegt und in welchem Rhythmus. Zwei Stunden im Quartal reichen meistens, aber sie müssen im Kalender stehen, sonst passieren sie nicht.
Fazit: klein anfangen, tief statt breit, und einen Termin setzen
Die beste Agenturseite ist nicht die schönste, sondern die fertige.
Wenn du aus diesem Artikel eine Sache mitnimmst, dann diese: Deine Website wird nicht gelesen, sie wird geprüft. Der Prüfer sucht vier Belege, und er sucht sie schnell. Passt ihr zu meinem Fall? Wer arbeitet konkret? Wie arbeitet ihr? In welcher Größenordnung? Alles, was diese vier Fragen nicht beantwortet, ist Dekoration. Das ist die unbequeme Nachricht für Kreativdienstleister, weil Dekoration genau das ist, worin wir gut sind und worin wir uns gern verlieren.
Ein konkreter Weg, der in der Praxis funktioniert und in vier bis sechs Wochen zu einer fertigen Seite führt:
- Positionierungssatz schreiben und durch die drei Tests schicken (Austausch, Gegenteil, Kunde). Erst weitermachen, wenn er alle drei besteht.
- Drei Projekte auswählen, die deiner Wunschzielgruppe am nächsten kommen. Nicht die schönsten, sondern die typischsten.
- Für diese drei Projekte je eine Case Study nach dem Raster oben schreiben, inklusive Abschnitt „Was heute anders wäre". Rechne mit drei bis fünf Stunden pro Fall, Texte zuerst, Bilder danach.
- Über-uns-Seite auf drei Fakten reduzieren: wie viele Personen, wer macht was im Projekt, mit wem arbeitet ihr extern zusammen.
- Preisspanne und einen kurzen Abschnitt „Passt nicht zu uns" ergänzen, dann Formular auf Budgetrahmen und Startzeitpunkt umbauen.
- Erst danach über Design, Animation und Bildsprache reden. Nicht vorher, sonst diskutiert ihr wieder über Farben statt über Inhalte.
Wenn du merkst, dass Schritt 3 seit sechs Wochen nicht passiert, ist das die eigentliche Erkenntnis: Nicht die Seite ist das Problem, sondern die fehlende Verbindlichkeit. Dann hilft ein fester Termin mit einem externen Beteiligten mehr als jedes weitere Konzept. Setz ein Datum, an dem die Seite live geht, kommuniziere es im Team und akzeptiere, dass die erste Fassung nicht perfekt ist. Eine ehrliche, vollständige Seite mit drei sauberen Fällen schlägt jede halbfertige Vision, und sie lässt sich in Ruhe weiterentwickeln, sobald sie online ist.
Und wenn du nach dieser Prüfung zu dem Schluss kommst, dass deine bestehende Seite die vier Fragen bereits beantwortet, nur eben schlicht: Lass sie stehen. Ein Relaunch ist dann keine Investition, sondern eine Beschäftigungstherapie. Investier die Zeit stattdessen in zwei zusätzliche Case Studies. Das bringt in fast allen Fällen mehr als ein neues Layout.
Häufige Fragen
- Was kostet eine Website für eine Agentur?
- Eine Agenturseite kostet als Erfahrungswert zwischen 2.000 und 4.500 Euro für einen schlanken Auftritt aus Startseite, Leistungen, Über uns und Kontakt. Mit drei bis fünf ausführlichen Case Studies liegst du meist zwischen 4.500 und 9.000 Euro, mit Journal und Karrierebereich zwischen 7.000 und 15.000 Euro. Bei Pixylmedia startet der Festpreis bei 2.000 Euro, das Pro-Paket bei 4.500 Euro.
- Wie lange dauert es, bis die eigene Agenturwebsite fertig ist?
- Ein schlanker Auftritt braucht als Erfahrungswert zwei bis vier Wochen, eine Portfolioseite mit drei bis fünf Case Studies vier bis acht Wochen. Beim Eigenbau im Haus dauert es meist drei Monate bis nie, weil kein Kunde eine Frist setzt und bezahlte Projekte immer vorgehen. Setz deshalb ein festes Launch-Datum mit externer Verbindlichkeit. Bei Pixylmedia steht der Launch nach 14 Tagen im Kalender.
- Brauche ich als Agentur Preise auf der Website?
- Preisspannen auf der Website senken die Zahl der Anfragen und erhöhen die Trefferquote deutlich, weil Budgetgespräche im Erstgespräch fast komplett wegfallen. Jeder Interessent hat ohnehin eine Größenordnung im Kopf, und ohne Angabe rät er meist falsch. Eine Formulierung wie „Projekte starten bei X, üblicher Rahmen X bis Y" reicht aus und nimmt dir keinen Verhandlungsspielraum.
- Wie viele Projekte gehören ins Portfolio einer Agentur?
- Drei bis fünf ausführlich dokumentierte Fälle reichen aus, der Rest deiner Arbeiten darf als schlichte Kundenliste ohne Bilder stehen. Zwanzig gleich gewichtete Kacheln wirken wie ein Sammelsurium ohne Profil und beantworten keine einzige Frage des Interessenten. Wähle die typischsten Projekte für deine Wunschzielgruppe, nicht die schönsten, und rechne mit drei bis fünf Stunden Schreibarbeit pro Fall.
- Lohnt es sich, die eigene Agenturseite extern bauen zu lassen?
- Ja, wenn dir intern die Verbindlichkeit fehlt: Ein externer Auftrag erzeugt Termin, Budget und Deadline, die für das eigene Projekt sonst nie entstehen. Rechne deine internen Stunden ehrlich gegen, als Erfahrungswert 60 bis 150 Stunden, die niemand fakturiert. Selbst bauen lohnt sich, wenn ihr eine echte Auftragslücke habt und die Seite bewusst als Trainingsprojekt für neue Technik nutzen wollt.
Genug gesehen?
Festpreis. Zwei Wochen. Direkt mit dem Macher. Kein Vorgespräch-Marathon, keine Newsletter-Falle.