Website für Pflegedienste: Angehörige erreichen, Personal gewinnen
Eine Pflegedienst-Website hat zwei Besucher, die kaum unterschiedlicher sein könnten: die Tochter, die nach der Krankenhausentlassung ihres Vaters innerhalb von drei Tagen eine Versorgung organisieren muss, und die examinierte Pflegefachkraft, die abends um halb elf auf dem Sofa liegt und schaut, ob es woanders besser ist. Beide entscheiden schnell, beide sind auf dem Handy, und beide suchen nach Informationen, die auf den meisten Pflegedienst-Seiten schlicht nicht stehen. Dieser Artikel zeigt dir, welche Inhalte je Zielgruppe wirklich tragen, warum Barrierefreiheit hier keine Kür ist und was ein Karriere-Bereich enthalten muss, damit er mehr bringt als eine Mail-Adresse.
- 13 Min.
- Juli 2026
- 8
Zwei Zielgruppen, eine Seite, ein Grundkonflikt
Warum die meisten Pflegedienst-Websites an beiden vorbeireden.
Schau dir zehn Websites ambulanter Pflegedienste an, und du siehst zehnmal dasselbe Muster: ein Stockfoto mit zwei Händen, darunter "Herzlich willkommen auf unserer Homepage", dann ein Absatz über die eigene Philosophie, dann eine Liste von Leistungsbegriffen ohne Erklärung, und ganz unten eine Telefonnummer. Der Karriere-Bereich besteht aus einem Satz ("Wir suchen Verstärkung") und einer info@-Adresse. Das ist keine schlechte Absicht, das ist eine Seite, die vor zehn Jahren gebaut und seitdem nur noch gefüttert wurde.
Das Problem daran ist nicht die Optik. Das Problem ist, dass beide Zielgruppen mit einer sehr konkreten Frage kommen und keine Antwort finden. Angehörige fragen sich: Fahrt ihr überhaupt in meinen Ort? Habt ihr gerade Kapazität? Was kostet das, und was übernimmt die Pflegekasse? Bewerber fragen sich: Wie lang sind die Touren, wie viele Wochenenden im Monat, wie früh steht der Dienstplan, und was verdiene ich? Keine dieser Fragen wird von einem Willkommensabsatz beantwortet.
Der Grundkonflikt: Eine Startseite kann nicht beiden Gruppen gleichzeitig dienen, ohne für beide unscharf zu werden. Der Ausweg ist nicht der Kompromiss, sondern die Weiche. Ganz oben, gleich sichtbar, zwei klare Wege: "Pflege für einen Angehörigen organisieren" und "Bei uns arbeiten". Danach darf jeder Pfad seine eigene Sprache sprechen. Für Angehörige ruhig, erklärend, entlastend. Für Bewerber direkt, konkret, ohne Hochglanz.
Und dann gibt es den Fall, den niemand gern ausspricht: Viele Pflegedienste sind ausgelastet und nehmen seit Monaten keine neuen Klienten an. Wenn das auf dich zutrifft, ist deine Website in erster Linie ein Recruiting-Instrument und erst in zweiter ein Anfrage-Kanal. Dann darf sie auch so aufgebaut sein. Eine Seite, die zwanzig Anfragen im Monat erzeugt, die du alle absagen musst, kostet dich Zeit und den Angehörigen Nerven.
Was Angehörige in den ersten 30 Sekunden brauchen
Die Fragen kommen in einer festen Reihenfolge. Die Seite sollte ihr folgen.
Angehörige sind selten Pflege-Experten. Sie sind meist zwischen 45 und 65, stehen im Beruf, haben gerade eine Diagnose oder einen Entlassbrief in der Hand und müssen unter Zeitdruck etwas organisieren, das sie noch nie organisiert haben. Sie kommen nicht, um sich über euer Leitbild zu informieren. Sie kommen, um herauszufinden, ob ihr für sie in Frage kommt, und zwar in dieser Reihenfolge: Gebiet, Kapazität, Leistung, Kosten, Kontakt.
Das klingt banal, hat aber Folgen für den Seitenaufbau. Das Leitbild gehört auf eine Unterseite, nicht in den oberen Bereich der Startseite. Die Ortsliste dagegen gehört nach oben, gern als einfache Aufzählung mit Postleitzahlen. Google versteht sie, Angehörige finden sich darin wieder, und ihr spart euch Anrufe aus Gebieten, die ihr gar nicht fahrt.
| Frage des Angehörigen | Wo sie beantwortet gehört | Was passiert, wenn sie fehlt |
|---|---|---|
| Fahrt ihr zu meiner Adresse? | Startseite oben, plus eigene Seite "Versorgungsgebiet" mit Ortsliste und PLZ | Anrufe aus fremden Gebieten, die euch Zeit kosten, und verlorene Anfragen aus eurem eigenen |
| Nehmt ihr gerade neue Klienten an? | Statuszeile mit Datum, sichtbar ohne Scrollen | Angehörige rufen an, bekommen eine Absage und merken sich euch als "hat abgesagt" |
| Was macht ihr konkret? | Leistungsseiten je Bereich (Grundpflege, Behandlungspflege, Betreuung, Verhinderungspflege) | Fachbegriffe ohne Erklärung, die Laien nicht einordnen können |
| Was kostet das und wer zahlt? | Eigene Seite "Kosten und Abrechnung" mit erklärter Logik statt fester Beträge | Der häufigste Grund, warum Angehörige die Seite verlassen und woanders anrufen |
| Wer ist mein Ansprechpartner? | Team-Seite mit echten Fotos, Funktion und Durchwahl | Anonymität, die bei einem so persönlichen Thema als Distanz gelesen wird |
| Wie erreiche ich euch jetzt? | Telefonnummer als klickbarer Link in jeder Ansicht, plus Zeiten und Rückrufversprechen | Nummer als Bild oder reiner Text, die man auf dem Handy nicht antippen kann |
| Wie geht es nach dem Anruf weiter? | Kurzer Ablauf in vier bis fünf Schritten vom Erstgespräch bis zum Pflegevertrag | Unsicherheit, ob der Anruf schon eine Verpflichtung auslöst |
Der letzte Punkt wird fast immer vergessen und ist einer der stärksten. Viele Angehörige zögern mit dem Anruf, weil sie nicht wissen, worauf sie sich einlassen. Ein sichtbarer Ablauf ("1. Anruf oder Formular, 2. kostenloses Erstgespräch bei Ihnen zu Hause, 3. Pflegeplanung und Kostenübersicht, 4. Vertrag, 5. Versorgungsbeginn") nimmt genau diese Hemmung. Er kostet dich zehn Minuten Schreibarbeit und wirkt bei jeder einzelnen Anfrage.
Zur Sprache: Schreib so, wie du im Erstgespräch am Küchentisch sprechen würdest. "Behandlungspflege nach SGB V" versteht ein Angehöriger nicht. "Medizinische Leistungen, die Ihr Arzt verordnet, zum Beispiel Medikamentengabe, Insulin, Verbandwechsel oder Kompressionsstrümpfe" versteht er sofort. Der Fachbegriff darf danach in Klammern stehen, damit die Seite auch für Sozialdienste und Ärzte anschlussfähig bleibt.
Kosten und Leistungen ehrlich darstellen
Warum feste Euro-Beträge auf der Website meistens ein Fehler sind.
Kosten sind die Frage, an der die meisten Pflegedienst-Websites schweigen, und genau deshalb der stärkste Hebel. Der Grund für das Schweigen ist nachvollziehbar: Die Vergütung hängt an Pflegegrad, Leistungskomplexen oder Zeitvergütung, an der Vergütungsvereinbarung mit den Kassen in deinem Bundesland und an der Frage, ob Leistungen über die Pflegeversicherung oder als ärztlich verordnete Behandlungspflege über die Krankenkasse laufen. Eine einzige Zahl gibt es nicht.
Daraus folgt aber nicht, dass die Seite gar nichts sagen darf. Es folgt, dass sie die Logik erklärt statt Beträge zu behaupten. Angehörige wollen an dieser Stelle vor allem drei Dinge wissen: Wer bezahlt eigentlich? Muss ich in Vorleistung gehen? Und bleibt ein Eigenanteil übrig?
| Leistungsart | Wer trägt die Kosten in der Regel | Was dazu auf der Website stehen sollte |
|---|---|---|
| Grundpflege und Betreuung (Pflegesachleistung) | Pflegekasse bis zum Höchstbetrag des jeweiligen Pflegegrads, darüber Eigenanteil | Erklärung der Pflegegrade 1 bis 5 und was passiert, wenn das Budget aufgebraucht ist |
| Ärztlich verordnete Behandlungspflege | Krankenkasse nach Verordnung, meist mit Zuzahlung | Hinweis, dass eine Verordnung vom Arzt nötig ist, und wer sie bei der Kasse einreicht |
| Hauswirtschaftliche Hilfe | Teils über Pflegesachleistung, teils über den Entlastungsbetrag, teils privat | Klare Trennung, was Kassenleistung ist und was ihr privat abrechnet |
| Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege | Pflegekasse aus eigenen Jahresbudgets, unabhängig von der Sachleistung | Kurzer Hinweis, dass dieses Budget vielen unbekannt ist und oft ungenutzt verfällt |
| Entlastungsbetrag für Betreuung und Entlastung | Pflegekasse, monatlich, ansparbar innerhalb des Jahres | Ob ihr darüber abrechnet und wie die Abtretungserklärung läuft |
| Zusatzleistungen (Fahrdienst, Begleitung, Einkauf) | In der Regel privat | Eigene Preisliste mit Datum, das ist der eine Ort, an dem Zahlen sinnvoll sind |
Die zweite Regel: Wenn du gesetzliche Beträge nennst, dann immer mit Stand-Datum und mit dem Hinweis, dass sie sich ändern. Die Leistungsbeträge der Pflegeversicherung sind in den letzten Jahren mehrfach angepasst worden. Eine Website, auf der noch die Beträge von vorgestern stehen, ist schlimmer als eine ohne Beträge: Sie wirkt gepflegt und ist trotzdem falsch, und Angehörige rechnen damit.
Ein dritter Punkt, der Vertrauen schafft und fast nie gemacht wird: Sag offen, was du nicht machst. Kein 24-Stunden-Betreuung im Haushalt, keine Intensivpflege, keine Beatmung, kein Einsatzgebiet jenseits von zwanzig Kilometern. Angehörige, die früh eine klare Absage lesen, sind nicht verärgert, sie sind dankbar. Und sie empfehlen dich trotzdem weiter, weil du ihnen einen Anruf erspart hast.
Barrierefreiheit: bei dieser Zielgruppe kein Extra
Was rechtlich gilt, und warum du trotzdem mehr tun solltest, als das Gesetz verlangt.
Zur Rechtslage zuerst, weil hier viel Halbwissen kursiert. Öffentliche Stellen und ihre Einrichtungen unterliegen den Vorgaben zur barrierefreien Informationstechnik. Für private Unternehmen greift das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, das seit Mitte 2025 wirksam ist, allerdings nur für bestimmte Produkte und Dienstleistungen im Verbrauchergeschäft, und mit Ausnahmen für Kleinstunternehmen. Eine reine Informationswebsite eines kleinen privaten Pflegedienstes fällt in vielen Fällen nicht darunter. Ob deine Seite betroffen ist, hängt an Rechtsform, Trägerschaft, Unternehmensgröße und daran, ob du online Verträge abschließt. Das lässt sich nicht pauschal beantworten, und wer dir sagt, es sei "auf jeden Fall Pflicht" oder "auf keinen Fall Pflicht", rät.
Viel wichtiger ist der praktische Grund. Deine Besucher sind Angehörige zwischen 50 und 75, Pflegebedürftige selbst und Menschen, die die Seite mit vergrößerter Schrift, auf einem alten Tablet oder bei schlechtem Licht anschauen. Barrierefreiheit ist hier keine Compliance-Übung, sondern schlicht die Bedingung dafür, dass deine Inhalte überhaupt ankommen. Der schöne Nebeneffekt: Fast alles, was Barrierefreiheit ausmacht, ist gleichzeitig gutes Handwerk und macht die Seite auch für alle anderen schneller und klarer.
| Maßnahme | Aufwand beim Bau | Wem sie konkret hilft |
|---|---|---|
| Fließtext ab 18 Pixel, Zeilenlänge unter 75 Zeichen | Kein Mehraufwand, reine Entscheidung | Allen ab etwa 45 Jahren, also fast allen Angehörigen |
| Kontrast mindestens 4,5 zu 1, kein Grau auf Hellgrau | Kein Mehraufwand, wenn früh entschieden | Sehschwäche, Sonnenlicht auf dem Handy, alte Displays |
| Touch-Ziele mindestens 44 mal 44 Pixel | Gering | Zittrige Hände, Bedienung mit einer Hand, Tablets |
| Telefonnummer als klickbarer Link, nicht als Bild | Minimal | Jedem Handy-Besucher, der jetzt anrufen will |
| Sichtbarer Tastatur-Fokus, logische Reihenfolge | Gering, wenn nicht mit Baukasten-Widgets gearbeitet wird | Screenreader-Nutzung, motorische Einschränkungen |
| Beschriftete Formularfelder, Fehlermeldungen im Klartext | Gering bis mittel | Allen, besonders bei Bewerbungs- und Kontaktformularen |
| Alt-Texte für alle inhaltstragenden Bilder | Mittel, weil es Textarbeit ist | Blinden Nutzern und nebenbei der Google-Bildersuche |
| Untertitel bei Team- oder Recruiting-Videos | Mittel, laufender Aufwand | Schwerhörigkeit und allen, die ohne Ton schauen |
| Seite in einfacher Sprache für Kernleistungen | Höher, einmalige Textarbeit | Kognitiven Einschränkungen, Demenz-Angehörigen, Nicht-Muttersprachlern |
Wenn du bei begrenztem Budget priorisieren musst: Die ersten vier Zeilen der Tabelle kosten praktisch nichts und decken den größten Teil des Nutzens ab. Sie sind Entscheidungen, keine Zusatzleistungen. Ein Webdesigner, der dir Barrierefreiheit als teures Extra verkauft, meint entweder eine formale Prüfung nach WCAG-Kriterien mit Dokumentation (die tatsächlich Geld kostet) oder er baut sonst standardmäßig unsauber.
Ein Test, den du selbst machen kannst: Öffne deine Seite auf dem Handy, stell die Systemschrift auf die größte Stufe und versuche, die Telefonnummer zu finden und anzurufen. Wenn dabei Text abgeschnitten wird, Buttons übereinanderrutschen oder du zoomen musst, hast du das Ergebnis. Denselben Test macht deine Zielgruppe jeden Tag, nur ohne Absicht.
Der Karriere-Bereich: konkret schlägt schön
Was in einer Stellenanzeige stehen muss, damit sich jemand abends um halb elf meldet.
Pflegekräfte suchen anders als andere Bewerber. Sie wissen, dass sie eine Stelle bekommen, die Frage ist nur, welche. Deshalb entscheidet nicht die Ansprache, sondern die Nachprüfbarkeit. Jeder Satz, den man auf jeder zweiten Seite lesen könnte ("familiäres Team", "wertschätzendes Miteinander", "attraktive Vergütung"), ist verbrannt. Er wird nicht positiv gelesen, sondern gar nicht.
Der Test für jede Zeile im Karriere-Bereich: Könnte der Wettbewerber im Nachbarort denselben Satz schreiben, ohne zu lügen? Wenn ja, streichen oder konkret machen. "Attraktive Vergütung" wird zu "3.400 bis 3.900 Euro brutto bei Vollzeit als examinierte Pflegefachkraft, je nach Berufserfahrung, plus Zuschläge". "Planbare Dienste" wird zu "Dienstplan steht am 20. des Vormonats, maximal zwei Wochenenden im Monat, Springerpool für Ausfälle".
| Baustein | Warum er entscheidet | Häufigster Fehler |
|---|---|---|
| Gehalt oder Gehaltsspanne | Ohne Zahl vergleicht niemand weiter, die Anzeige wird übersprungen | "Vergütung nach Tarif" ohne Nennung des Tarifs oder einer Spanne |
| Dienstplan-Realität | Der stärkste Wechselgrund in der Pflege überhaupt | Nur "geregelte Arbeitszeiten" statt konkreter Regeln zu Einspringen und Wochenenden |
| Tourenlänge und Klientenzahl | Sagt mehr über den Alltag als jedes Foto | Wird komplett verschwiegen, weil man Nachteile fürchtet |
| Fahrzeug und Ausstattung | Dienstwagen zur privaten Nutzung oder nicht, Dokumentation per Smartphone oder Papier | Nur "moderne Arbeitsmittel" |
| Team und Leitung mit Gesicht | Man bewirbt sich bei Menschen, nicht bei einem Logo | Stockfotos statt echter Bilder der PDL und des Teams |
| Einarbeitung in Wochen | Wiedereinsteiger und Berufsanfänger entscheiden daran | "Strukturierte Einarbeitung" ohne Dauer und Ablauf |
| Fort- und Weiterbildung mit Beispielen | Zeigt, ob Entwicklung real ist oder Floskel | Allgemeine Zusage ohne Budget, Freistellung oder konkrete Kurse |
| Weg für ausländische Abschlüsse | Relevanter Teil des Bewerbermarktes, meist unadressiert | Kein Wort dazu, obwohl man im Alltag längst so einstellt |
| Bewerbungsweg in unter drei Minuten | Bewerbungen entstehen abends auf dem Handy, nicht am Schreibtisch | Pflichtformular mit zwölf Feldern und Anschreiben als Muss |
| Ansprechpartner mit Durchwahl und Zeiten | Viele wollen erst fragen, nicht gleich bewerben | Nur ein anonymes Formular oder eine info@-Adresse |
Zum Bewerbungsweg im Detail: Vier Felder reichen (Name, Telefon, Qualifikation, gewünschter Umfang), dazu ein optionaler Datei-Upload und ein Freitextfeld. Lebenslauf nachreichen ist normal, Anschreiben verlangt in der Pflege praktisch niemand mehr. Ein zusätzlicher Weg über Telefon oder Messenger senkt die Schwelle nochmal deutlich, gerade bei Leuten, die im Dienst nicht in Ruhe tippen können.
Technisch lohnt sich eine eigene Seite je offener Stelle statt einer Sammelseite mit fünf Anzeigen untereinander. Jede Stelle bekommt eine eigene Adresse, einen eigenen Titel und strukturierte Daten für Stellenanzeigen. Damit kann die Anzeige in der Jobsuche von Google auftauchen, und du kannst einzelne Stellen teilen, ohne dass Bewerber erst scrollen müssen. Alte Stellen gehören konsequent offline oder als besetzt markiert, sonst bewerben sich Leute auf Phantomstellen und schreiben dich innerlich ab.
Datenschutz und Formulare: hier gelten strengere Regeln
Gesundheitsdaten, Bewerberdaten und die Frage, welche Werkzeuge du nicht einsetzen solltest.
Auf einer Pflegedienst-Website landen zwangsläufig sensible Daten. Angehörige schreiben in Kontaktformulare Sätze wie "meine Mutter hat Pflegegrad 3 und seit dem Schlaganfall eine Halbseitenlähmung". Das sind Gesundheitsdaten, und die gehören nach der DSGVO zu den besonderen Kategorien personenbezogener Daten mit erhöhten Anforderungen. Ein Formular, das solche Angaben einsammelt, ist deshalb kein Standardformular.
Praktisch heißt das: Das Formular sollte so wenig wie möglich abfragen. Name, Rückrufnummer, Ort und ein Freitextfeld reichen für den Erstkontakt vollkommen. Der Pflegegrad gehört nicht als Pflichtfeld hinein. Ein kurzer Hinweis direkt über dem Freitextfeld hilft beiden Seiten: "Bitte schreiben Sie hier nur, worum es grob geht. Details besprechen wir am Telefon." Das reduziert die Datenmenge und beschleunigt trotzdem nichts.
- Verschlüsselte Übertragung ist Pflicht, nicht Bonus. Ohne gültiges Zertifikat kein Formular.
- Hosting in Deutschland oder der EU, mit Auftragsverarbeitungsvertrag vom Anbieter.
- Keine Schriften, Karten oder Skripte, die beim Aufruf Daten an US-Server senden. Fonts lokal einbinden, Karten erst nach Klick laden.
- Formulardaten per Mail an eine Postfach-Adresse, auf die nur die zuständigen Personen Zugriff haben, nicht an eine Sammeladresse, die im Büro jeder mitliest.
- Löschkonzept festhalten: Wie lange bleiben Anfragen liegen, wer löscht sie, in welchem Rhythmus.
- Bewerberdaten getrennt behandeln. Zugriff nur für Leitung und Verwaltung, Aufbewahrung nach Absage nur so lange, wie es für die Abwehr möglicher Ansprüche nötig ist, danach löschen.
Der Punkt mit den US-Diensten wird oft als Übervorsicht abgetan. Bei einer Website, auf der ohnehin Gesundheitsbezüge auftauchen, ist er einfach das naheliegende Vorgehen: Wenn du ohne externe Dienste auskommst, brauchst du für sie auch keine Rechtsgrundlage, kein Consent-Banner-Theater und keine Diskussion mit einer Aufsichtsbehörde. Weniger Werkzeuge bedeutet weniger Angriffsfläche. Das ist der Grund, warum ich Seiten in diesem Bereich grundsätzlich mit lokal eingebundenen Schriften und ohne US-CDN baue.
Zwei Dinge zum Tempo, die mit Datenschutz zusammenhängen: Je weniger externe Skripte eine Seite lädt, desto schneller ist sie. Und schnell ist hier wichtiger als anderswo, weil ein großer Teil der Besucher über das Handy und teils über schwaches Netz kommt. Ein Erfahrungswert aus Projekten in diesem Umfeld: Der mobile Anteil liegt meist zwischen 60 und 80 Prozent, im Karriere-Bereich eher am oberen Ende. Eine Seite, die auf dem Desktop im Büro gut aussieht, ist damit noch gar nicht getestet.
Umfang, Kosten und Zeitplan
Was so ein Projekt realistisch braucht und wann du es dir sparen kannst.
Eine funktionierende Pflegedienst-Website ist kein Onepager, aber auch kein Konzern-Auftritt. In der Praxis liegt der sinnvolle Umfang bei acht bis vierzehn Seiten: Startseite, drei bis fünf Leistungsseiten, Versorgungsgebiet, Kosten und Abrechnung, Ablauf, Team, Karriere-Übersicht, ein bis drei Stellenseiten, Kontakt, dazu Impressum und Datenschutzerklärung. Alles darunter lässt Fragen offen, alles darüber pflegt am Ende niemand.
Zu den Preisen, als Erfahrungswerte und nicht als Preisliste: Für eine individuell gebaute Website in diesem Umfang liegen die Angebote in der Praxis meist zwischen 2.000 und 8.000 Euro, je nachdem wie viel Text du selbst lieferst, ob Fotos vom Team gemacht werden müssen und wie viele Stellenseiten dazukommen. Träger mit mehreren Standorten, mehrsprachigen Inhalten und einem Redaktionsteam landen eher bei 8.000 bis 20.000 Euro, weil dort Rollen, Rechte und Freigabeprozesse dazukommen. Selbst gebaut im Baukasten geht es unter 500 Euro, mit den bekannten Grenzen bei Tempo, Barrierefreiheit und Datenschutz. Wie du solche Angebote sauber auf eine gemeinsame Grundlage bringst, steht im Ratgeber zum Angebotsvergleich.
Laufend kommen Hosting, Domain, Pflege und die Aktualisierung von Stellenanzeigen dazu. Rechne die Stellenpflege ehrlich mit ein: Wenn du drei bis fünf Mal im Jahr Anzeigen tauschst, brauchst du entweder einen Zugang, mit dem du das selbst in zehn Minuten schaffst, oder eine feste Vereinbarung, wer es macht. Was sonst noch an laufenden Posten anfällt, ist im Ratgeber zu den laufenden Kosten aufgeschlüsselt.
Zum Zeitplan: Der Bau ist selten das Nadelöhr, die Inhalte sind es. Fotos vom Team, Freigaben durch die Pflegedienstleitung, die Entscheidung über Gehaltsangaben, ein Blick der Datenschutzbeauftragten auf die Formulare. Wenn diese Zuarbeit steht, ist eine Seite dieses Umfangs in zwei bis vier Wochen live. Bei Pixylmedia ist der Rahmen Festpreis vor Projektstart und Launch in 14 Tagen, ab 2.000 Euro für den Basic-Umfang. Das funktioniert aber nur, wenn Texte und Bilder in dieser Zeit auch tatsächlich kommen, und das ist bei einem Dienst im Alltagsbetrieb der ehrlichste Risikofaktor im ganzen Projekt.
Fazit: die Reihenfolge, die sich lohnt
Konkret, in der Reihenfolge, in der du es angehen solltest.
Eine Pflegedienst-Website scheitert selten am Design und fast immer an fehlenden Antworten. Angehörige wollen wissen, ob ihr in ihren Ort fahrt, ob ihr Kapazität habt und wer bezahlt. Bewerber wollen wissen, was sie verdienen, wie der Dienstplan aussieht und wie lang die Tour ist. Beides sind Entscheidungen, die im Haus getroffen werden müssen, nicht am Rechner eines Webdesigners. Genau deshalb ist die Vorarbeit der eigentliche Hebel.
Wenn du morgen anfangen willst, in dieser Reihenfolge:
- Öffne deine aktuelle Seite auf dem Handy und suche in 30 Sekunden nach Versorgungsgebiet, Aufnahmestatus und Telefonnummer. Was du nicht findest, ist deine erste To-do-Liste.
- Entscheide intern, ob ihr Gehaltsspannen nennt. Diese eine Entscheidung hat mehr Einfluss auf eure Bewerbungen als der gesamte Rest der Seite.
- Schreib das Versorgungsgebiet als konkrete Ortsliste auf und den Ablauf vom Erstanruf bis zum Versorgungsbeginn in fünf Schritten. Beides zusammen dauert eine Stunde.
- Mach echte Fotos: Team, Fahrzeuge, Büro. Ein Nachmittag mit einem Fotografen ersetzt zwanzig Stockbilder und ist im Karriere-Bereich unbezahlbar.
- Räum das Kontaktformular auf. Weniger Pflichtfelder, ein Hinweis zu Gesundheitsdaten, ein klares Rückrufversprechen, das ihr auch haltet.
- Erst danach hol Angebote ein. Wer mit fertigen Inhalten und klaren Zielen in ein Gespräch geht, bekommt konkretere Angebote und zahlt am Ende weniger.
Und eine letzte ehrliche Einordnung: Eine gute Website ersetzt weder eine erreichbare Telefonnummer noch ein Team, das gern dort arbeitet. Sie sorgt dafür, dass die richtigen Leute anrufen und die falschen es lassen. Mehr will sie nicht leisten, und wer dir mehr verspricht, verkauft dir gerade etwas. Wenn deine Seite nach dem Relaunch dazu führt, dass Angehörige besser vorbereitet ins Erstgespräch kommen und Bewerber mit einer konkreten Frage statt mit "erzählen Sie mal" anrufen, hat sie ihre Aufgabe erfüllt.
Häufige Fragen
- Was kostet eine Website für einen Pflegedienst?
- Für eine individuell gebaute Seite mit acht bis vierzehn Unterseiten liegen die Angebote nach unserer Erfahrung meist zwischen 2.000 und 8.000 Euro. Träger mit mehreren Standorten und Freigabeprozessen landen eher bei 8.000 bis 20.000 Euro. Bei Pixylmedia startet der Festpreis bei 2.000 Euro, das Pro-Paket bei 4.500 Euro. Dazu kommen laufend Hosting, Domain und die Pflege der Stellenanzeigen.
- Wie lange dauert es, bis eine Pflegedienst-Website online ist?
- Zwei bis vier Wochen, wenn Texte, Team-Fotos und Freigaben rechtzeitig vorliegen. Der Bau selbst ist selten das Nadelöhr, die Zuarbeit ist es: Fotos vom Team, die Freigabe durch die Pflegedienstleitung, die interne Entscheidung über Gehaltsangaben. Bei Pixylmedia ist der Launch nach 14 Tagen eingeplant, was aber nur funktioniert, wenn Inhalte in dieser Zeit tatsächlich geliefert werden.
- Muss eine Pflegedienst-Website barrierefrei sein?
- Für private Pflegedienste gilt keine pauschale Pflicht. Öffentliche Stellen unterliegen den Vorgaben zur barrierefreien Informationstechnik, für Unternehmen greift das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz seit Mitte 2025 nur bei bestimmten Dienstleistungen im Verbrauchergeschäft, mit Ausnahmen für Kleinstunternehmen. Ob deine Seite betroffen ist, hängt an Rechtsform, Trägerschaft und Größe. Unabhängig davon lohnt sich Barrierefreiheit, weil deine Besucher oft zwischen 50 und 75 Jahre alt sind.
- Soll ich das Gehalt in der Stellenanzeige nennen?
- Ja, eine Spanne gehört hinein. Pflegekräfte wissen, dass sie eine Stelle bekommen, und vergleichen nur noch. Ohne Zahl wird die Anzeige übersprungen. Statt "attraktive Vergütung" also zum Beispiel 3.400 bis 3.900 Euro brutto bei Vollzeit als examinierte Fachkraft, je nach Berufserfahrung, plus Zuschläge. Diese eine interne Entscheidung beeinflusst die Zahl deiner Bewerbungen stärker als der gesamte Rest der Seite.
- Brauche ich Preise auf der Website, wenn die Kosten von Pflegegrad und Kasse abhängen?
- Nenne die Logik statt fester Beträge. Angehörige wollen wissen, wer bezahlt, ob sie in Vorleistung gehen müssen und ob ein Eigenanteil bleibt. Erkläre also Pflegesachleistung, Behandlungspflege über die Krankenkasse und den Entlastungsbetrag in einfachen Worten. Konkrete Zahlen nur mit Stand-Datum und gebündelt an einer Stelle, damit du sie einmal im Jahr tauschen kannst. Feste Preise sind nur bei privaten Zusatzleistungen wie Fahrdienst oder Einkauf sinnvoll.
Genug gesehen?
Festpreis. Zwei Wochen. Direkt mit dem Macher. Kein Vorgespräch-Marathon, keine Newsletter-Falle.