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Website-Preis verhandeln: Was geht und was nur schadet

Das Angebot liegt auf dem Tisch, die Summe ist höher als gedacht, und jetzt kommt der Satz: „Geht da noch was?" Die ehrliche Antwort lautet in den meisten Fällen ja, aber nicht so, wie du denkst. Ein Website-Preis besteht fast vollständig aus Arbeitszeit eines Menschen, nicht aus Handelsmarge. Wer die Zahl drückt, ohne den Umfang zu ändern, bekommt keinen Rabatt, sondern weniger Sorgfalt an einer Stelle, die er im Angebot nie gesehen hat. Dieser Artikel zeigt dir, an welchen vier Stellschrauben wirklich Spielraum steckt, welche Positionen du besser unangetastet lässt und mit welchen Sätzen eine Verhandlung fair verläuft, ohne dass dein Projekt darunter leidet.

Lesezeit
12 Min.
Stand
Juli 2026
Kapitel
8

Warum ein Website-Preis anders zustande kommt als ein Autopreis

Es gibt keinen Listenpreis, von dem jemand heruntergeht.

Beim Autokauf verhandelst du gegen eine Handelsmarge. Der Händler hat einen Einkaufspreis, einen Listenpreis und dazwischen einen Puffer, den er ganz oder teilweise abgeben kann, ohne dass sich am Produkt etwas ändert. Das Auto ist danach exakt dasselbe Auto. Bei einer Website gibt es diesen Puffer nicht. Der Preis ist im Wesentlichen die Zeit, die eine oder mehrere Personen an deinem Projekt verbringen, plus ein Risikoaufschlag für alles, was im Briefing noch offen ist. Wenn du diese Zahl um zwanzig Prozent drückst und der Umfang gleich bleibt, verschwinden zwanzig Prozent Arbeitszeit. Die verschwinden nie beim Design, das du siehst, sondern beim Testen, bei der mobilen Feinarbeit, bei der Ladezeit, bei der Dokumentation.

Das heißt nicht, dass Verhandeln unfair oder sinnlos ist. Es heißt nur, dass der Hebel woanders sitzt. Verhandelbar ist alles, was den Aufwand tatsächlich verändert: wie viele Seiten gebaut werden, wer die Texte schreibt, wann das Projekt startet, wie schnell du Entscheidungen triffst, welche Funktionen in Stufe zwei rutschen. Nicht verhandelbar ist der Anspruch an das, was gebaut wird. Ein Anbieter, der auf reinen Preisdruck hin einfach fünfzehn Prozent nachlässt und sonst nichts ändert, sagt dir damit unfreiwillig etwas: Der ursprüngliche Preis war beliebig. Das ist selten ein gutes Zeichen.

Wo überhaupt Puffer im Angebot steckt

Wie viel Verhandlungsspielraum vorhanden ist, hängt stark von der Struktur des Anbieters ab. In der Praxis sieht man bei größeren Agenturen mit mehreren beteiligten Rollen (Projektleitung, Design, Entwicklung, Vertrieb) eher Bewegung im Bereich von fünf bis fünfzehn Prozent, weil dort interne Puffer und Vertriebsziele mitkalkuliert sind. Bei Solo-Dienstleistern und kleinen Werkstätten ist der Spielraum auf reine Preisreduktion meist geringer, dafür sind sie beim Umfang und beim Zeitplan oft flexibler. Das sind Erfahrungswerte aus Angeboten, die Kunden zum Gegenlesen schicken, keine erhobenen Marktdaten. Nimm sie als Größenordnung, nicht als Anspruch.

Die Stellschrauben mit echtem Sparpotenzial

Nicht der Preis sinkt, sondern der Aufwand. Das ist der Unterschied.

Eine faire Verhandlung klingt nie nach „mach mir das billiger", sondern nach „lass uns schauen, was wir weglassen oder verschieben können". Der Effekt ist derselbe (du zahlst weniger), aber das Ergebnis bleibt sauber, weil weniger gebaut wird statt schlechter gebaut. Die folgende Tabelle sammelt die Stellschrauben, die in Webprojekten am zuverlässigsten wirken. Die Prozent- und Eurowerte sind Erfahrungswerte aus kleinen und mittleren Projekten im Bereich von etwa 2.000 bis 10.000 Euro, keine allgemeingültigen Sätze. Bei größeren Projekten verschieben sich die Verhältnisse.

StellschraubeRealistisches SparpotenzialWas du dafür aufgibst
Seitenzahl reduzieren (z. B. von 10 auf 6)Etwa 15 bis 30 Prozent der BausummeInhaltstiefe. Untermenüs später nachzurüsten kostet mehr als sie gleich mitzubauen
Texte selbst liefern statt schreiben lassenIn der Praxis meist 400 bis 1.200 EuroDeine Zeit. Rechne mit 1 bis 2 Stunden pro Seite, wenn du es ernst meinst
Eigene Bilder statt Shooting oder LizenzpaketMeist 300 bis 1.500 EuroBildqualität. Handyfotos vom Team können funktionieren, Produktfotos selten
Funktionen in Stufe zwei schieben (Buchung, Shop, Portal)Oft 20 bis 50 Prozent, je nach FunktionNichts, wenn die Struktur den Ausbau vorsieht. Viel, wenn später neu gebaut wird
Mehrsprachigkeit später ergänzenMeist 20 bis 35 ProzentNur wenig, sofern die Technik von Anfang an zweisprachfähig angelegt wird
Individuelle Illustrationen und Animationen streichenMeist 300 bis 2.000 EuroWiedererkennbarkeit. Bei Handwerk und Dienstleistung oft verzichtbar
Korrekturrunden von 3 auf 2 begrenzenEtwa 5 bis 10 ProzentPuffer für Meinungsänderungen. Nur sinnvoll, wenn eine Person entscheidet
Startzeitpunkt flexibel lassenMeist 5 bis 10 ProzentPlanungssicherheit. Du bekommst den Termin, der in den Kalender passt

Zwei Zeilen in dieser Tabelle verdienen einen Warnhinweis. Die Reduktion der Seitenzahl wirkt sofort, ist aber die Stellschraube, die am häufigsten bereut wird: Wer von zehn auf sechs Seiten geht, um 1.200 Euro zu sparen, und ein Jahr später vier Seiten einzeln nachbestellt, zahlt am Ende mehr als beim Erstauftrag. Frag deshalb immer nach, was die vier Seiten im Nachgang kosten würden. Steht die Antwort im Angebot, kannst du sauber rechnen. Und bei den Funktionen gilt: Verschieben ist nur dann günstig, wenn die technische Grundlage den Ausbau vorsieht. Sonst ist es keine Verschiebung, sondern ein zweites Projekt.

Der Unterschied zwischen Streichen und Kürzen

Streichen heißt: Eine klar umrissene Leistung fällt komplett weg, alle Beteiligten wissen es, es steht im Angebot. Kürzen heißt: Die Leistung bleibt im Angebot stehen, wird aber mit weniger Zeit erledigt. Das erste ist eine Entscheidung, das zweite ein Risiko. Achte in der überarbeiteten Version des Angebots deshalb darauf, dass Positionen wirklich verschwinden und nicht nur billiger werden. Wenn aus „Testing auf 6 Geräten, 480 Euro" plötzlich „Testing, 240 Euro" wird, ohne dass jemand sagt, welche drei Geräte rausfallen, hast du nicht verhandelt, sondern etwas verloren.

Eigenleistung: der größte Hebel und der, der am häufigsten schiefgeht

Selbst machen spart Geld, wenn du es wirklich machst.

Die mit Abstand größte Position, die du selbst übernehmen kannst, sind Inhalte: Texte, Bilder, Daten, Referenzen, Öffnungszeiten, rechtliche Angaben. In vielen kleinen Projekten macht der Inhalt zwischen einem Viertel und einem Drittel des Gesamtaufwands aus. Wenn du das übernimmst, sinkt der Preis spürbar und ehrlich, weil tatsächlich weniger Arbeit anfällt. Der Haken ist bekannt und trotzdem unterschätzt: Von zehn Kunden, die „die Texte schreiben wir selbst" sagen, liefern erfahrungsgemäß etwa drei pünktlich und vollständig, drei liefern spät, und der Rest liefert Stichpunkte, aus denen am Ende doch jemand Texte machen muss.

Halbfertige Eigenleistung ist teurer als gar keine. Ein Rohtext, der überarbeitet werden muss, kostet oft mehr Zeit als ein Text, der von Anfang an geschrieben wird, weil Struktur, Länge und Tonalität nachträglich passend gemacht werden. Wenn du also Eigenleistung als Sparhebel nutzt, dann verbindlich: mit Liefertermin, mit Wortumfang pro Seite, mit einer Vorlage vom Dienstleister. Und mit einer klaren Regel, was passiert, wenn der Termin reißt.

Neben Inhalten gibt es weitere Eigenleistungen mit echtem Effekt: Zugänge und Daten vollständig und gebündelt bereitstellen statt in fünfzehn einzelnen Mails, eine einzige entscheidungsbefugte Person benennen, Feedback gesammelt statt tröpfchenweise geben. Das klingt nach Kleinkram, ist aber in Summe oft ein halber Projekttag. Viele Dienstleister rechnen das nicht explizit ab, aber sie kalkulieren es ein. Wer glaubhaft macht, dass er schnell und gebündelt entscheidet, verhandelt bereits, ohne über Geld zu reden.

Timing, Zahlung und was du außer Geld anbieten kannst

Manche Gegenleistungen sind für den Anbieter mehr wert als Rabatt für dich.

Eine Verhandlung wird deutlich einfacher, wenn du nicht nur nimmst. Ein Dienstleister hat Interessen, die nichts mit deinem Budget zu tun haben: Auslastung in ruhigen Wochen, Planungssicherheit, ein Projekt fürs Portfolio, eine echte Bewertung, saubere Zahlungseingänge. Wenn du eines davon anbietest, hat dein Gegenüber einen sachlichen Grund nachzugeben, statt einfach nur klein beizugeben. Die folgende Tabelle ordnet die üblichen Gegenleistungen ein.

Was du anbietestWert für den AnbieterRealistischer Effekt auf den Preis
Flexibler Starttermin (Anbieter wählt die Woche)Hoch: füllt Lücken zwischen ProjektenMeist 5 bis 10 Prozent oder ein Extra ohne Aufpreis
Zahlung vollständig bei Start statt in RatenMittel: Liquidität, weniger VerwaltungÜblicherweise 2 bis 4 Prozent Skonto, mehr ist unrealistisch
Freigabe für Portfolio und FallstudieHoch bei jungen Anbietern, gering bei etabliertenMeist 5 bis 10 Prozent, oft eher Zusatzleistung als Nachlass
Ehrliche Bewertung nach Launch (ohne Bedingung)Mittel bis hochSelten Rabatt, aber spürbar mehr Entgegenkommen im Projekt
Zwei Projekte bündeln (z. B. Website plus Landingpage)Hoch: ein Setup, ein Design, zwei AufträgeOft 10 bis 20 Prozent auf das zweite Projekt
Verbindliche Feedbackfristen im VertragSehr hoch: kalkulierbarer AblaufSelten direkter Rabatt, häufig kürzere Laufzeit und weniger Nachträge

Zum Punkt Vorkasse eine klare Warnung: Volle Vorauszahlung ist für dich das schlechteste Zahlungsmodell, weil du jedes Druckmittel aus der Hand gibst. Zwei bis vier Prozent Skonto sind diesen Verlust an Sicherheit in den seltensten Fällen wert. Üblich und fair sind gestaffelte Zahlungen, etwa fünfzig Prozent bei Auftragserteilung und fünfzig Prozent bei Freigabe vor dem Livegang, bei größeren Projekten auch drei Raten mit Meilensteinen. Wenn ein Anbieter hundert Prozent Vorkasse verlangt und dafür kaum etwas gibt, ist das kein Verhandlungsangebot, sondern ein Risikotransfer zu dir.

Die Vertragsform selbst ist übrigens auch ein Verhandlungsgegenstand, und zwar einer der wichtigsten. Ein Festpreis vor Projektstart kostet auf dem Papier oft etwas mehr als eine Stundenkalkulation, weil der Anbieter sein Risiko einpreist. Dafür weißt du am ersten Tag, was am letzten Tag auf der Rechnung steht. Wo sich welches Modell rechnet, ist im Ratgeber zu Stundensatz oder Festpreis ausführlich gegenübergestellt. Bei Pixylmedia steht der Festpreis grundsätzlich vor dem Start fest, ohne Position „Sonstiges", weil genau diese Unsicherheit sonst zum eigentlichen Streitpunkt wird.

Was du besser nicht verhandelst

Diese Positionen sehen nach Sparpotenzial aus und sind es nie.

Es gibt Posten in einem Angebot, die klein wirken, austauschbar klingen und deshalb als Erstes gestrichen werden. Genau diese Posten sind der Grund, warum eine Website nach zwei Jahren noch funktioniert oder eben nicht. Sie kosten im Bau wenig und im Nachhinein viel. Die folgende Tabelle nennt die häufigsten und was der Verzicht tatsächlich bedeutet.

PositionWarum sie als Sparposten giltWas der Verzicht wirklich kostet
Testing auf echten GerätenUnsichtbar im Ergebnis, klingt nach FormalieFehler auf älteren Handys, die du nie siehst, deine Kunden aber schon
Ladezeit- und Performance-Arbeit„Die Seite lädt doch"Sichtbarkeit bei Google und Absprünge auf Mobilfunk. Nachrüsten kostet meist das Doppelte
Datenschutz sauber umgesetztKein sichtbarer GegenwertAbmahnrisiko und Nacharbeit. Lokale Fonts statt US-CDN sind Aufwand von Stunden, kein Extra
Rechtstexte und Cookie-Lösung„Kopier ich mir irgendwo zusammen"Haftung liegt bei dir als Seitenbetreiber, nicht beim Dienstleister
Barrierefreie Grundlagen (Kontraste, Struktur, Tastatur)Wirkt wie KürAusschluss von Nutzern, bei bestimmten Branchen und ab 2025 auch rechtlich relevant
Backups und Updates nach dem LaunchLaufende Kosten, die man später regeln willEin gehacktes oder nicht wiederherstellbares System kostet mehr als drei Jahre Wartung
Übergabe: Zugänge, Doku, Rechte am CodePapierkram am ProjektendeOhne saubere Übergabe zahlst du beim Anbieterwechsel ein zweites Mal
Support in den ersten Wochen nach Launch„Läuft ja jetzt"Genau in dieser Zeit fallen die echten Fehler auf. Ohne Support zahlst du sie einzeln

Beim Datenschutz lohnt eine Ergänzung, weil hier besonders oft gespart wird. Der Aufwand für eine saubere Umsetzung (Schriften lokal eingebunden, keine Einbindung von Diensten aus Drittländern ohne Einwilligung, ein funktionierender Consent-Mechanismus, ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Hoster) liegt bei einem normalen Projekt im Bereich weniger Stunden. Diese Stunden wegzuverhandeln bringt dir vielleicht zweihundert Euro und verlagert ein Risiko auf dich, das rechtlich ohnehin bei dir liegt: Verantwortlich für die Seite ist der Betreiber, nicht der Erbauer.

So läuft ein faires Verhandlungsgespräch ab

Fünf Schritte, die in der Praxis funktionieren.

Verhandeln ist bei Webprojekten weniger Poker als Sortierarbeit. Du versuchst nicht, dem Gegenüber etwas abzuringen, sondern gemeinsam die Version des Projekts zu finden, die in dein Budget passt und trotzdem funktioniert. Wer so herangeht, bekommt in der Regel mehr als jemand, der mit einem Konkurrenzangebot wedelt. Die folgenden fünf Schritte haben sich bewährt.

  1. Budget früh nennen, nicht spät. Sag im Erstgespräch, welcher Rahmen realistisch ist („wir haben ungefähr 4.000 Euro eingeplant"). Ein guter Anbieter baut dann ein passendes Angebot statt eines Wunschkonzerts, das du danach kaputtverhandeln musst.
  2. Das Angebot vollständig lesen und Fragen sammeln, bevor du über Preis sprichst. Notiere pro Position: verstehe ich, brauche ich, wann brauche ich es. Wie du mehrere Angebote sauber auf eine gemeinsame Grundlage bringst, steht im Ratgeber zum Angebotsvergleich.
  3. Nach Alternativen fragen statt nach Rabatt. Der Satz, der fast immer etwas bringt: „Das Angebot passt inhaltlich, liegt aber 1.200 Euro über meinem Rahmen. Was würdest du weglassen oder verschieben, wenn es dein eigenes Projekt wäre?"
  4. Gegenleistung anbieten. Flexibler Start, gebündeltes Feedback, verbindliche Zulieferfristen, Freigabe für die Referenzliste. Das kostet dich wenig und verändert die Verhandlung von einem Nullsummenspiel zu einem Tausch.
  5. Das Ergebnis schriftlich festhalten und gegenlesen. Jede Reduktion muss als Streichung im neuen Angebot stehen. Was nur mündlich vereinbart wurde, existiert im Projekt nicht.

Sätze, die in der Praxis besser funktionieren

Formulierungen entscheiden mehr, als man denkt. „Das ist mir zu teuer" ist eine Bewertung und provoziert Rechtfertigung. „Das liegt über meinem Rahmen, lass uns schauen, was passt" ist eine Einladung und provoziert einen Vorschlag. Ähnlich funktioniert der Unterschied zwischen „Was ist Ihr bestes Angebot?" (fordert eine Zahl, liefert selten eine gute) und „Was würde diese Website in einer schlanken Variante kosten, die in einem Jahr ausbaubar ist?" (fordert Nachdenken, liefert meistens eine brauchbare Option).

Und ein Satz, der überraschend oft hilft: „Wenn das Budget einfach nicht reicht, sag es mir bitte direkt, statt das Projekt kleinzurechnen." Ein Dienstleister, der weiß, dass er ehrlich absagen darf, macht dir eher ein realistisches Angebot als eines, das er später nicht halten kann. Genau das ist auch die ehrliche Antwort für kleine Vorhaben: Wenn dein Budget bei 600 Euro liegt und es um ein Hobbyprojekt oder eine reine Visitenkarte geht, ist ein guter Baukasten die vernünftigere Wahl als ein heruntergehandeltes Individualprojekt. Dafür lohnt es sich nicht, jemanden zu einem Preis zu bringen, bei dem er das Projekt nicht ordentlich machen kann.

Taktiken, die nach hinten losgehen

Kurzfristig wirksam, im Projektverlauf teuer.

Manche Verhandlungstricks funktionieren tatsächlich, in dem Sinne, dass die Summe im Angebot sinkt. Was sie danach im Projekt anrichten, sieht man erst später. Diese fünf sieht man am häufigsten.

  1. Das Konkurrenzangebot als Hammer. „Der andere macht es für 2.400" ist nur dann ein Argument, wenn beide Angebote dasselbe beschreiben. Meistens tun sie das nicht. Wer trotzdem mitgeht, streicht still Leistungen, die du im Vergleich nicht gesehen hast.
  2. Der versprochene Folgeauftrag. „Wenn das gut läuft, kommen noch drei Projekte" ist die abgenutzteste Währung der Branche. Erfahrene Anbieter rechnen sie mit null. Wer darauf einsteigt, kompensiert den Rabatt anderswo.
  3. Salamitaktik nach der Zusage. Nach der mündlichen Einigung noch einmal nachfassen und weitere fünf Prozent verlangen. Das funktioniert genau einmal und vergiftet die Zusammenarbeit ab Tag eins.
  4. Nachverhandeln kurz vor Unterschrift, wenn der Termin schon geblockt ist. Zeitdruck ausnutzen bringt eine Zahl, aber du arbeitest danach monatelang mit jemandem zusammen, der weiß, dass du das gemacht hast.
  5. Den Preis akzeptieren und dafür den Umfang stillschweigend ausdehnen. „Können wir nicht schnell noch eine Seite mit reinnehmen?" viermal hintereinander ist keine Verhandlung, sondern die Umkehrung des Problems.

Der gemeinsame Nenner: Alle fünf Taktiken verändern die Beziehung, nicht das Projekt. Und die Beziehung entscheidet bei Webprojekten mehr als der Vertrag. Ob jemand am Freitagabend noch den Fehler im Kontaktformular behebt, ob er dich vor einer schlechten Idee warnt oder sie einfach umsetzt, ob er dir beim Umzug der Domain hilft, das steht in keinem Angebot. Es hängt daran, wie das Projekt begonnen hat.

Fazit: verhandle den Umfang, nicht die Sorgfalt

Was du konkret tun solltest, bevor du das nächste Angebot beantwortest.

Bei Websites gibt es Spielraum, aber er liegt nicht in der Endsumme, sondern in dem, was darunter steht. Seitenzahl, Texte, Bilder, Funktionsumfang, Startzeitpunkt und Zahlungsweise sind echte Stellschrauben, an denen du fünf bis dreißig Prozent bewegen kannst, ohne dass die Website schlechter wird. Testing, Ladezeit, Datenschutz, Übergabe und Support sind es nicht. Wer dort spart, bezahlt die Ersparnis in der Regel innerhalb von zwei Jahren mit Zinsen zurück, häufig an jemand anderen, weil der ursprüngliche Anbieter dann nicht mehr im Boot ist.

Konkret für dein nächstes Angebot: Nimm dir zwanzig Minuten und geh es Position für Position durch. Markiere jede Zeile mit A (brauche ich zum Start), B (kann in Stufe zwei) oder C (brauche ich gar nicht). Zähl zusammen, was nur A ergibt. Wenn diese Summe noch über deinem Rahmen liegt, schreib genau das an den Anbieter: die A-Liste, deine Zahl und die Frage, wie er die Lücke schließen würde. Bied dabei eine Gegenleistung an, die dich wenig kostet: flexibler Starttermin, verbindliche Lieferfristen für deine Inhalte, Freigabe für die Referenzliste. Lass dir das Ergebnis als aktualisiertes Angebot schicken, in dem gestrichene Positionen wirklich gestrichen sind.

Wenn danach immer noch zu viel Abstand bleibt, ist das kein Verhandlungsproblem, sondern ein Passungsproblem. Dann ist die ehrliche Konsequenz, entweder das Projekt zu verkleinern (weniger Seiten, später ausbauen) oder es zu verschieben, bis das Budget passt. Beides ist besser, als jemanden auf einen Preis zu drücken, bei dem die Arbeit nicht mehr aufgehen kann. Eine Website, die zu billig gebaut wurde, erkennt man nicht am Tag des Livegangs. Man erkennt sie sechs Monate später, wenn sie langsam ist, niemand mehr zuständig ist und der Relaunch schon wieder auf der Liste steht. Was ein zu günstiges Projekt konkret nach sich zieht, ist im Ratgeber zu den Risiken günstiger Websites aufgeschlüsselt.

Häufige Fragen

Wie viel Rabatt ist bei einer Website realistisch?
Auf die reine Endsumme bewegen sich größere Agenturen erfahrungsgemäß im Bereich von fünf bis fünfzehn Prozent, Solo-Dienstleister meist weniger. Deutlich mehr Spielraum liegt im Umfang: Seitenzahl senken, Texte selbst liefern oder Funktionen in Stufe zwei schieben bringt fünf bis dreißig Prozent. Das sind Erfahrungswerte aus kleinen Projekten, keine festen Sätze. Bei Festpreispaketen ab 2.000 Euro wie bei Pixylmedia verhandelst du ohnehin über den Umfang.
Was sollte ich bei einem Website-Angebot auf keinen Fall streichen?
Testing auf echten Geräten, Ladezeit-Arbeit, Datenschutz, Rechtstexte, barrierefreie Grundlagen, Backups sowie die Übergabe von Zugängen, Doku und Support nach dem Launch. Diese Positionen kosten im Bau wenig und im Nachhinein viel. Wer beim Datenschutz ein paar Stunden wegverhandelt, spart vielleicht zweihundert Euro und trägt das Risiko trotzdem selbst, denn verantwortlich ist immer der Betreiber der Seite.
Spare ich wirklich Geld, wenn ich die Texte selbst schreibe?
Ja, in der Praxis meist 400 bis 1.200 Euro, weil Inhalte oft ein Viertel bis ein Drittel des Aufwands ausmachen. Der Haken: Halbfertige Texte kosten den Dienstleister mehr Zeit als gar keine. Nimm die Eigenleistung deshalb nur mit Liefertermin, Wortumfang pro Seite und einer Vorlage in den Vertrag, plus einer Regel, was bei Verzug passiert.
Lohnt sich Vorkasse gegen Skonto bei einem Webprojekt?
Selten. Für volle Vorauszahlung sind üblicherweise zwei bis vier Prozent Skonto drin, und dafür gibst du jedes Druckmittel aus der Hand. Fairer sind gestaffelte Zahlungen, etwa fünfzig Prozent bei Auftragserteilung und fünfzig Prozent bei Freigabe vor dem Livegang, bei größeren Projekten drei Raten mit Meilensteinen. Verlangt ein Anbieter hundert Prozent Vorkasse ohne Gegenwert, ist das ein Risikotransfer zu dir.
Wie sage ich einem Anbieter, dass sein Angebot zu teuer ist?
Sag nicht „zu teuer", sondern nenne deine Zahl und frag nach Alternativen: „Das Angebot passt inhaltlich, liegt aber 1.200 Euro über meinem Rahmen. Was würdest du weglassen oder verschieben, wenn es dein eigenes Projekt wäre?" Damit verhandelst du über den Umfang statt über den Stundensatz und bekommst einen Vorschlag, den du im überarbeiteten Angebot nachlesen kannst.

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